Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 11)
- Language
- German
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472 R>ie ReligionspWosophie׳ des Mraham ibn Daud Ms ToU»P. überwunden vermocht, daß er, im Widerspruch mit der sonst von ihm behaupteten Einheit des Seelenlebens, einem Theil der menschlichen Seele, der thätigen Vernunft, eine gewisse Unabhängigkeit von den anderen Seelenkräften zuerkannte und dann die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele nur auf diesen an die Entwicklung des Leibes nicht gebundenen Theil der menschlichen Seele bezog. Mit dieser Annahme ist aber stillschweigend auch der Verzicht auf die Erklärung einer individu eilen Fortdauer der menschlichen Seele ausgesprochen; denn die Individualität wird ja gerade durch die niederen Seelenkräfte, durch denjenigen Theil der menschlichen Seele begründet, der als die E n t e l e ch i e des Leibes auch in dessen Schicksale verflochten ist, während die thätige Vernunft, die der Fortdauer allein theilhaftig werden soll, nichts Anderes als die allen Menschen gemeinsame Denkfähigkeit ist'). So wenig daher eine solche Auffassung der Unsterblichkeitslehre auch geeignet ist, dem religiösen Bewußtsein sowie den Anforderungen des menschlichen Gemüths Genüge zu leisten, so giebt es doch aus dem Boden der aristotelischen Philosophie keinen Ausweg, um zu einer anderen, dem religiösen Inhalt des Unsterblichkeitsglaubens entsprechenderen, Auffassung zu gelangen. Dieser Noth- Wendigkeit mußte auch A. b. D. sich fügen, er beschränkt sich daher auf eine einfache Widergabe der subtilen, dem Jbn-Sina entlehnten Syllogismen "). Hingegen vermissen wir in seiner Darstellung den Nachweis für den in dieser Frage ausschlaggebenden Punkt, für die Verschiedenheit der thätigen Vernunft, des ') Em. Ram. S. 32 Text, deutsche Uebers. S. 4V. *) Wir verweisen auf Em. Ram. S. 37—38 Text, deutsche Uebers. S. 47—48. Eine Vergleichung mit Schahrest. II. S. 324 ffg. läßt auch hier eine Uebereinstimmung A. b. D.'s mit Jbn-S!na bis in alle Einzelheiten erkenneu. Wir wollen jedoch, um nicht den Leser zu ermüden, wo nicht ein besonderer Anlaß dazu vorhanden ist;, von einer weiteren Gegenüberstellung beider Texte absehen.