Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. 26!) dem Körper, wie sich später zeigen wird, doch eine so bedeutende Förderung zu Theil wird, daß man darin vielleicht einen Rechtfertigungsgrund für diese Vereinigung erblicken könnte. A. b. D. schreitet daher zu einer anderen, auf das Wesen der Seele begründeten Demonstration, die uns wieder zu den oben dargelegten psychologischen Problemen zurückführt. Nehmen wir einmal an, die menschlichen Seelen seien nicht, was sie doch in Wahrheit sind, die Entelechieen ihrer Leiber und entständen nicht erst gleichzeitig mit diesen, sondern nachdem sie vorher unabhängig für sich bestanden haben, würden sie später nach Entstehung der ihnen angemessenen Leiber mit diesen vereinigt, so erhebt sich die Frage: welches war der Zustand der Seelen vor der Vereinigung? Entweder müssen ursprünglich alle menschlichen Seelen zusammen gewissermaßen eine einzige Seeleneinheit ausgemacht haben, oder sie waren von Anfang an bereits voneinander gesondert und getrennt. Gegen die Annahme der ursprünglichen Einheit aller menschlichen Seelen spricht aber die unter den Menschen herrschende Verschiedenheit in moralischer und intellektueller Beziehung. Wie sollte diese nämlich zu erklären sein, wenn alle Seelen ursprünglich eins und gleich gewesen wären, da ja die moralische und intellektuelle Verschiedenheit ihren Grund nur in der V e r s ch i e d enartigkeit der Seelen haben kann? Ist daher die Annahme einer ursprünglichen Verschiedenheit der menschlichen Seelen unausweichlich, so könnte diese Verschiedenheit wiederum entweder substanziell oder accidentiell sein. Da jedoch alle menschlichen Seelen in ihrem Wesen, nämlich darin, daß sie Menschenseelen sind, miteinander Übereinkommen, so kann eine substanzielle Verschiedenheit zwischen ihnen nicht angenommen werden; accidentieller Verschiedenheiten aber sind im materielle Wesen, wie es doch die menschlichen Seelen sind, nicht fähig. So scheitert denn die Annahme