Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 5)
- Language
- German
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266 Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. werden? Nehmen wir an, es gebe zwei verschiedene körperliche Organe, von denen das eine den Denk- oder Vorstellungsproceß, das andere das Bewußtsein von demselben erzeugte, so wäre, da ja nicht alle körperlichen Organe immer zu gleicher Zeit wirksam sind, doch auch der Fall möglich, daß einmal, während das Vorstellungsorgan in Thätigkeit ist, das Bewußtseinsorgan in Ruhe verharren würde. Dann aber müßte das eintreten, was in Wirklichkeit niemals der Fall ist, daß nämlich der Mensch denkt oder eine Vorstellung hat, ohne sich dessen bewußt zu sein. Aber selbst dann, wenn wir für die Vorstellungsthätigkeit und für das Bewußtsein von derselben ein einziges, gemeinschaftliches körperliches Organ annehmen, so brauchte trotzdem dieses Vorstellungs- und Bewußtseinsorgan seine beiden Tätigkeiten noch immer nicht zu einer und derselben Zeit auszuüben, wie ja auch das Auge z. B., obschon es der Farbenwie der Wärmeempfindung fähig ist, diese beiden Thätigkeilen nicht immer miteinander verbindet. Es wäre daher die Möglichkeit noch immer nicht ausgeschlossen, daß wir eine Vorstellung hätten, ohne uns derselben bewußt zu werden *). Endlich aber läßt sich gegen die Annahme eines körperlichen Begriffs- oder Vorstellungsorgans noch folgendes Argument anführen. Wie uns die Erfahrung lehrt, pflegen die körperlichen Organe oder Sinne durch ungewöhnlich starke Eindrücke eine Schwächung ihrer Kraft zu erleiden, so z. B. das Auge, wenn es in das Jbn-S!na. Schährest. II. S. 322. Die dortige Auseinandersetzung giebt allerdings kaum einen erträglichen Sinn, ist aber doch wohl eine, freilich sehr mangelhafte, Wiedergabe der hier auch von A. b. D. dem Jbn-Stna entlehnten Argumente. Schahrest, schließt: ״Es steht also fest, daß es unmöglich ist, daß das Auffaffende ein Organ auffaßt, welches sein Organ bei d e m A u f f a s s e n ist. Und dieses eignet nicht der Vernunft, denn der Sinn zwar nimmt nur etwas Aeußeres wahr und nimmt nicht sein Wesen wahr, und nicht sein Organ und nicht sein Wahr nehmen, und in gleicher Weise bildet sich die Einbildungskraft nicht ihr SBefen ein und nicht ihr Thun und nicht ihr Organ" u. s. w.