Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Tempelpsalmen
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2829132-2829500-2829506-2870621--18109-2870661- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
יי י Die Tempelpsalmen. 221 ״ ״ mudischeit Nachrichten runden diese Zeit niit der Zahl 40 Jahre nor der T em p e l z er st örun g ab und sagen von ihr aus, daß alle ehemaligen Gnadenzeichen in ihr anfgehört haben, weil sie zu sündhaft gewesen. In dieser Zeit hat R. Jochanan b. Sakka'i das Sühnopfer für einen unentdeckt gebliebenen Meuchelmord (עגלה ערופה) aufgehoben, weil die Sicarier, von den Landpflegern dazu aufgemuntert, ju viel solcher Opfer veranlaßt hätten. Der Richterstand blieb auch nicht intakt von der allgemeinen Verderbniß, welche die Herodianer und die hohepriesterliche Aristokratie in Judäa heimisch gemacht haben *). Die Zeit bot also das traurige Bild der schmählichen Bedrückung von Außen, der Auflösnng der Sittlichkeit und des Schwindens des Gerechtigkeitssinns im Innern. Und gerade auf einen solchen Zustand weisen drei der ausgewählten Tenrpelpsalmen. Ps. 94 klagt über Bedrückung des Volkes und über Frevler, Ps. 82 über ungerechte Richter, Ps. 81 vergegenwärtigt durch Erinnerung an die ältere Zeit die Verwerfung des Volkes wegen seiner Unbotmäßigkeit gegen Gott. Man könnte daher diese drei Psalmen Klagen- und S tr a f p r e d i q t e n nennen, welche vom Chor der Leviten jede Woche wiederholt wurden. Aber das Volk sollte nicht von solchen Klagen und Rügen erdrückt, sondern zugleich in dem Gedanken aufgemuntert werden, daß Gott es nicht verlassen wird. Von diesem Gesichtspunkte aus kann man einen gewissen Plan und eine Gedankenfolge in der Auswahl der sieben Tempelpsalmen erblicken. Der Sonntagspsalm (24) erinnert, daß Gott Weltschöpfer ist und im Tempel seine huldvolle Gegenwart weilen läßt. Der Montagspsalm (48) erinnert, daß Gott einst '1 Vergl. Joma p. 47 b. mit Anschluß an das Aufhören des Opfers für einen unentdeckt gebliebenen Mord und der Ordalien für den Verdacht des Ehebruches, welche R. Jochanan b. S. ebenfalls abrogirt hat: משרבו רואי פנים בדין. . . פרקו עול שמים ונחנו עליהם עול בשר ורם ... משרבו לוחשי לחישות בדין, רבה חרון־אף בישראל, ונם חלקה השכינה.