Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Tempelpsalmen
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 16)
- Language
- German
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Wii ä)l« fempelpfatme«. für sein Volk erstaunliche Wunder gethan. Der Dienstagspsalm (82) weist auf die Schäden der Gegenwart hin, Ungerechtigkeit des Richterstandes. Der Mittwochspsalm (94) schildert den grauenhasten Zustand in vollem Schattenbilde. Der Donnerstagspsalm (81) lenkt wieder ein und zeigt, daß Gott die Vorfahren nur wegen ihrer Sündhaftigkeit verworfen hat, aber sich des Volkes erbarmen würde, wenn es zu seinem Wege znrückkehrt. Der Freitagspsalm (93) zeigt Gottes Allmacht, und endlich der Sabbatpsalm will der beklommenen Seele Beruhigung geben, daß die Frevelthaten nicht von Bestand seien, und daß die Frommen wie die Palmen hoch anfschießen werden. Die 7 Psalmen bieten demnach eine Abwechselung von Erhebung und Niederbeugung. Die Nügepsalmen fallen in die Mitte der Woche und culminiren im Mittwoch, von da ab beginnt die allmälige Aufrichtung bis zum Sabbat, die folgenden zwei Tage setzten sie noch fort. So wiederholt sich die Vergegenwärtigung der Gesunkenheit und des Leidenszustandes mit der Erinnerung an Gottes Wallung iiber sein Volk und seine Macht, die Schmach von ihm abznthnn und die verhöhnte Gerechtigkeit im Inneren und nach Außen wieder herzustellen. Schatten und Licht wechselten demnach in der Liturgie der Leviten ab. Wenn nicht zur Zeit der letzten Landpfleger, so kann die Auswahl in der herodianischen Zeit erfolgt sein, worauf sie eben so gut paßt. Mit Ueberlegung ist sie jedenfalls gemacht.