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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1878-01-01 · Heft 5 · p. Seite 220

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
27 (1878)
Issue
Heft 5
Article
Die Tempelpsalmen
Date
1878-01-01
Page
Seite 220 (sequence 14)
Language
German
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220 Die Tempelpsalmen. da der Inhalt doch wenigstens annähernd an die׳ Schöpfung erinnert. Freilich Pf. 104 würde sich besser dafür eignen; indessen mag er wegen seiner Länge übergangen worden sein. Aber warum ist gerade der Klagepsalm 94, welcher Bedrückung des Volkes und Ungerechtigkeit der Frevler zum Hauptinhalt hat, ausgesucht worden? Auch Psalm 82, welcher Rüge über Ungerechtigkeit der Richter zum Inhalt hat, scheint nicht besonders glücklich gewählt. Aber gerade in dieser auffallenden Auswahl scheint ein Plan zu liegen. Als ausgemacht kann vorausgesetzt werden, daß die Tempelcultus-Ordnung, wie sie im Traktat Tamid beschrieben wird, nicht aus früherer Zeit des zweiten Tempels stammen kann. Dieser Traktat berührt sich nämlich vielfach mit dem Traktat Middot, und dieser schildert lediglich den Bau und die innere Einrichtung des herodianischen Tempels. Ferner kommt in der Cultusordnung in Tamid vor, daß die verschiedenen Funktionen beim Opfer an die Priester durch's Loos vertheilt zu werden pflegten (I, 2; Hl, 1). Die Vertheilung durch's Loos wurde aber erst in den letzten Jahrzehnden des Tempelbestandes in Folge unglücklicher Vorfälle bei dem Wetteifer und der Rivalität der Priester eingeführt (vgl. Joma p. 21a., 23 a., und Tosephta Joma I, Schebuot I.), nämlich zur Zeit des R. Z a d o k. Dieser war aber Zeuge des Tempelunterganges. Folglich stammt die Cultusordnung in Tamid erst aus der letzten Zeit des Tempelbestandes. Ohnehin läßt es sich nicht gut denken, daß die Tradition über die Cultusordnung hoch hinaufgereicht haben sollte. Könnte man annehmen, daß cutd; die Auswahl der sieben Tempelpsalmen für die sieben Wochentage aus der letzten Zeit des Tempelbestandes stammt, dann wäre sie erklärlich. Die Zeit, seit dem Tode des Königs Agrippa I. und der Willtürherrschaft und dem Blutregiment der Landpfleger zweiter Reihe, war höchst unglücklich für das jüdische Volk. Die tal-

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