Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Tempelpsalmen
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 10)
- Language
- German
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216 Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. kein anderes als eben ein immaterielles Prineip angenommen werden. Allein die Inkonsequenz der aristotelischen Psychologie, die sich darin bekundet, daß die menschliche Vernunft einerseits nur als eine gesteigerte Entwicklung der organischen Lebenskraft, andererseits wieder als ein von außenher hinzutretendes, neues Prineip aufgefaßt wird, hat ja bekanntlich auch schon dem Art-- stoteles die Durchführung der Einheit des menschlichen Seelenlebens sehr erschwert und zu den schwankendsten und einander widersprechendsten Aeußerungen Veranlassung gegeben 1). Dieser Mangel aber tritt, wie bei Alfarabi und Jbn-Sina, so auch bei Abraham ibn Daud, wie wir später sehen werden, noch viel schärfer hervor. Da nun aber thatsächlich, trotz der behaupteten Einheit des Seelenlebens, der vernünftige Theil der menschlichen Seele von Aristoteles und seinen arabischen Schülern nicht als eine natürliche Entwicklung aus den niederen Seelenkräften, sondern als ein zu diesen neuhinzutretendes Prineip betrachtet *ו Vgl. Zeller. Philos. d. Griechen II, 2. Abth. S. 456 7 ״Die Entstehung der Seele ist nach Aristoteles im Allgemeinen an die des Leibes gebunden, dessen Entelechie sie ist; er widerspricht nicht allein der Annahme einer Präexistenz, sondern er erklärt auch ausdrücklich, daß der Keim der Seele im männlichen Samen enthalten sei und mit ihm vom Erzeugenden in das Erzeugte übergehe. Andererseits aber weiß er diese Erklärung auf den vernünftigen. Theil der Seele nickt anzuwenden, da dieser eben etwas Anderes ist als die Lebenskraft des Leibes; wiewohl daher auch sein Keim im Samen sich fortpflanzen soll, wird doch zugleich behauptet, er allein komme von außenher in den Menschen und sei in sein körperliches Leben nicht verwickelt, so daß demnach von den späteren Theorieen nicht nur die tradueianische, sondern auch die kreatianische sich in gewissem Sinne auf Aristoteles berufen kann. Aber wie es möglich ist, daß der Nus, welcher mit dem Körper schlechthin Nichts zu thun haben sott, und bei welchem sich doch auch an keine räumliche Einwohnung denken läßt, mittelst des Samens auf das Erzeugte übergeht, wann und wie sein Keim sich mit demselben verbindet, wie endlich aus den niederen Seelentheilen und der Vernunft, trotz ihres verschiedenen Ursprungs, ein persönliches Wesen werden kann, darüber giebt unser Philosoph nicht den mindesten Aufschluß.