Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Tempelpsalmen
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 4)
- Language
- German
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,010 Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. halt der Wahrnehmung selbst h i n a n s g e h e n d e s Urtheil zu fassen. Auf diese Kraft ist es z. B. zurückzuführen, wenn das Lamm, indem es den Wolf erblickt, ihn als einen von ihm zu fliehenden Feind betrachtet, seinen Hirten hingegen als einen seines Bertraueus werthen Freund, denn in der Wahrnehmung des Wolfs und des Hirten an sich ist der Inhalt dieses Urtheils doch keineswegs gegeben. Durch Urtheile dieser Art werden Thiere wie Menschen noch vor aller Erfahrung dazu bestimmt, sich diesem zu nähern und vor jenem zu fliehen. Fahren wir z. B. d'em Säugling mit der Hand nach dem Auge, so schließt er dasselbe, obwohl er noch niemals durch uns eine Verletzung erlitten hat; ein ähnliches Urtheil liegt dem Verhalten des Kindes zu Grunde, das sich, wenn ivir ihm die Hand, die es gehalten, entziehen wollen, fest an uns klammert'). Die Kraft des G e d ä ch n i s s e s dient zwar gleichfalls dazu, dasjenige festzuhalten, worauf unsere Aufmerksamkeit nicht mehr gerichtet ist, dennoch aber muß ihre Thätigkeit von der der A bbildungskraft genau unterschieden werden. Mit Hülfe der Abbildungskraft werden nämlich nur die an den Dingen gemachten sinnlichen Wahrnehmungen in der Erinnerung aufbewahrt, das Gedächtniß hingegen bringt uns die von uns gefaßten *) Jbn-S!na. Schahrest. II. S. 315: ״Ferner die Vorstellungskraft (wir haben die dem Sinn entsprechendere Bezeichnung: ״Urtheilskraft" gewählt), ist eine Kraft, welche am Ende der mittleren Höhlung des Gehirns liegt und die nicht sinnlich wahrgenommenen Bedeutungen, welche in den partiellen Wahrnehmungen existiren (A. b. D.: במשפטים חלקיים בלתי מוחשים), erfaßt z. B. die Kraft, welche das Urtheil abgiebt, daß der Wolf zu fliehen sei, das Junge aber Zuneigung erfahren müsse". Jehuda Halewi nennt diese Kraft (Kosari, S. 388): כח חמחשבי. Die Worte von והכח המחשבי bis אל הזברון sind jedoch so korrumpirt, daß wir auf den Versuch, den ursprünglichen Wortlaut wiederherzustellen, verzichten müsien. Hingegen findet sich Etwas weiter (S. 390) folgende Definition dieser Kraft: ואחריו הכח המחשבי והו*־■* כח השופט דן על דבר שראוי שיבוקש ועל־1 דבר שראוי להתרחק ממנו. Dies stimmt ganz mit Schahrcst. und A. b. D. überein; vgl. oben S. 207 Anmerk. I.