Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 12)
- Language
- German
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Die Neligionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. 121 Die demnächst entstehende Frage, welcher die Untersuchung sich zuzuwenden haben wird, ist nun die, ob die Seele eine Substanz oder ob sie nur ein A'eeidenz sei. Unter der großen Zahl derer, welche die Seele für ein Accid enz erklären, giebt es nur wenige, deren Ansichten sich auch nur der Mühe einer Widerlegung verlohnen, die meisten richten sich selber durch ihre offenbare Absurdität 1). Dahingegen kann den, von den ״Naturforschern" ausgesprochenen, Ansichten, wenn sich dieselben auch schließlich als irrthümlich erweisen, doch ein gewisser Schein von Wahrheit nicht abgesprochen werden, und darum müssen dieselben einer Prüfung unterzogen werden. Hippokrates, der hervorragendste unter den ״Naturforschern", erklärt die Seele als ein Produkt, entstanden aus der Mischung der Elemente, Galen hingegen ist in seinen Aussprüchen so schwankend, daß er dieser Ansicht bald zuzustimmen, bald wieder dieselbe zu verwerfen scheint *). Folgende Erwägungen aber sind es, denen diese Ansicht über das Wesen der Seele ihre Entstehung verdankt. ') Em. Ram. S. 21 Text, deutsche Uebers. S. 28, vgl. Saadia Emunoth we-Deoth Buch VI. S. 95 ed. Lelpz.: ותחלת מה שראוי לחקור עליו עצבב הנפש מה הוא. והוא שמצאתי בני אדבם חולקיכם בעצמדה מחלוקורה נפלאות, מטרידות הלבבות, אני רואה לעזוב זכרון רובם וגו׳. 2) Diese Aeußerung A. b. D.'s ist für seine genaue Kenntniß der philosophischen Literatur charakteristisch. Das von ihm ausgesprochene Urtheil über Gälen's Stellung zu dem Problem, das Wesen der Seele betreffend, stimmt nämlich genau mit dem Urtheil Zeller's über denselben Punkt überein. ״Wichtiger erscheint Galen's Abweichung von Aristoteles in Betreff der Seele und ihrer Wirksamkeit; gerade hier lauten aber auch seine Aeußerungen so schwankend, daß man wohl sieht, wie sehr es ihm unter dem Widerstreit der Meinungen an einem festen Haltpunkt gefehlt hat". Und Etwas weiter: ״Insofern möchte man geneigt sein, der peripatetischen Lehre Leizupflichten, wonach die Seele die Form ihres Körpers ist, dieses würde aber freilich auf die Ansicht führen, welche von den Stoikern behauptet und von manchen Peripatetikern getheilt wird, daß die Seele nichts Anderes sei als die Mischung der körperlichen Stoffe". Zeller Philos. d. Griech. III, 1. Abth. S. 741.