Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der angebliche judäische Peripatetiker Aristobulos und seine Schriften
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
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104 Der angebliche jndäische Peripatetiker Aristobul und seine Schriften. er nicht beibringen, der doch erforderlich wäre, wenn fast jede in dieser Schrift aufgestellte Behauptung auf den ersten Blick Fälschung und Erfindung verräth. Die Widerlegung Zellers gegen den Haupteinwand von der Entstehung der Septuaginta unter Philadelphus' Patronat, ist durchaus unhaltbar. Zeller meint, die Sage von der Betheiligung Philadelphus' und Phalereus' an dieser Uebersetzung könnte in Umlauf gewesen sein, und Aristobul habe sie für seinen Zweck benutzt. Allein dieser Einwand beweist zu viel oder gar nichts. Hat man unter den alexandrinischen Judäern noch vor Philometor geglaubt, ״daß die Septuaginta durch Anregung des Philadelphus und Demetrios Phalereus entstanden sei", dann muß dieser Glaube nicht bloß eine Sage, sondern eine Thatsache gewesen sein. Denn zwischen Philadelphus und der Zeit vor Philometor läge vielleicht kaum ein halbes Jahrhundert. Philadelphus starb 248 und Philometor kam 18 l zur Regierung. Also innerhalb dieser 50 oder 60 Jahre soll die Sage im Umlauf gewesen sein, in welcher noch Einige gelebt haben können, welche in der Zeit der Uebersetzung bereits gelebt haben. Indessen ist das ganze Raisonnement unrichtig. Nicht eine Sage hat Philadelphus und Demetrios Phalereus mit der Septuaginta in Verbindung gebracht, sondern ein einziger Schriftsteller, der Vers, des Aristeasbriefes, und dieser hat aus einer falschen Combination den Letzteren hineingezogen, weil er aus Unkenntniß der Literaturgeschichte den judäischen Chronographen Demetrios mit Demetrios Phalereus identificirt hat. (Vergl. Monatsschrift, Jg.'1876, S. 306 fg.). So lange man im Dunkeln über den Verf. dieses Briefes tappte, konnte man allenfalls annehmeü, die Philadelphus-Demetrivs-Gefchichte fei eine Sage gewesen. Jetzt aber ist die Illusion verflogen. Es ist unwiderleglich erwiesen, daß der Verf. des Aristeasbriefes in der Zeit des Kaisers Liberias geschrieben (das. 297 fg.), daß er mit sei-