Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 541 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Religionsphilosophie des Abraham ibn Daud aus Toledo. 841 Diese Hoffnung war jedoch getäuscht worden, denn A. b. D. hatte eine tiefere und principielle Erörterung der angeregten Frage nicht ohne Absicht, wie es scheint, vermieden und sich, ohne die philosophische Seite derselben zu berühren, auf eine Darstellung der schriftgeMassen Auffassung der menschlichen Willensfreiheit beschränkt. Die Hauptschwierigkeit, über dieses Problem zur Klarheit zu gelangen, so hatte die Antwort gelautet, sei in der unentschiedenen Haltung der Schrift zu suchen, da sich aus derselben ebenso gut gegen wie für die menschliche Willensfreiheit Belegstellen anführen ließen. Einem solchen scheinbaren Widerspruche gegenüber müsse jedoch folgende Interpretationsregel festgehalten werden. Wenn auch im Allgemeinen die Anssprüche der heiligen Schrift nach ihrem einfachen Wortsiun anfgefaßt werden muffen, so giebt es doch einzelne Stellen, wo derselbe ohne eine ergänzende Erläuterung zu keinem befriedigenden Verständniß führen würde. Wo z. B. der Wortsinn zweier Sätze miteinander in Widerspruch stände, da muß eine Umdeutung vorgenomnien werden, durch welche der Sinn des einen Satzes dem des anderen näher gebracht wird; und zwar ist diese Umdeutuna an demjenigen von den beiden Sätzen vorzunehmeu, gegen den auch die menschliche V e rnunft Einspruch erhebt. Die heilige Schrift enthält nämlich in der That einzelne Allssprüche, die sich, um dem Verständniß des Volkes entgegenzukommen, der hergebrachten, vulgären Anschauung anbequemen (z. B. die Anthropomorphismen) und darum auch ihrem einfachen Wortsinn nach gar nicht als objektive Wahrheit gelten wollen. Eine, unter diesem Gesichtspunkt vorgenommene, Prüfung der auf die Willensfreiheit bezüglichen Schriftaussprüche könne daher ihrem Wortsinne nach auch irur diejenigen gelten lassen, die f ü r die Willensfreiheit aussagen, da gegenüber den schwerwiegenden Gründen, die gegen den Determinismus sich erheben, der nicht nur unserem