Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1877-01-01 · Heft 11 · p. Seite 515

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
26 (1877)
Issue
Heft 11
Article
Über die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms
Date
1877-01-01
Page
Seite 515 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829486-2829498-2870321--17789-2870362
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Itefcev die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms. 815 zeugung. Mit aller Kraft gläubiger Zuversicht bricht sich, trotz aller widersprechenden Wahrnehmungen der Gedanke endlich Bahn, daß die Vergeltung nie ausbleibeu kann und dem Fron:- inen ein herrlicher Ersatz irr Aussicht gestellt sei. Unstreitig ist es der Glaube ait die Fortdauer der Seele nach dem Tode, der dem Säuger diese Ueberzeugung einflößt. Ist auch Alles dahin, ruft er aus, schwindet Leib und Leben, so ist Gott!nein Theil auf Ewig. Gott leitet mich nach seinen: Rathe, und nimmt mich auf, wenn aller äußerer Glanz gewichen ist. In dieser Hoffnung lösen sich ihm alle Zweifel über das Walten der göttlichen Vorsehung, von diesem Vertrauen beseelt, kann der Mensch jedes Harts Geschick mit Geduld und Ergebung ertragen, ohne sich von dem Hohn der Gottlosen und deren verführerischen Reden irgendwie beirren und beeinflussen zu lassen. Stellen wir diese Hoffnung und Versöhnung athmende Worte des Psalmisten dem Ausspruche des Antigonos gegenüber, dann darf es uns nicht wunder», wenn tu Aboth bi R. Nathan (Abschn. S) erzählt wird, daß letzterer von einigen Männern mißverstanden wurde. Nicht jedermann ist von solch' einer hochherzigen Gesinnung beseelt, daß er bei allen Kämpfen und Versuchungen auch dann noch treulich in der Pflichterfüllung ausharre, wenn jede Aussicht ans Anerkennung und Vergeltung geschwunden ist. Gab es nun Männer in Israel, die an die Fortdauer der Seele nach dem Tode, sei es, weil in der h. Schrift nicht ausdrücklich davon Erwähnung geschiehet, sei es aus irgend welchem anderen Grunde, zweifelten, dann ist es leicht erklärlich, daß sie grade in dem Ausspruch« des Antigonos ihren Unglauben zu begründen suchten. Wenn der Psalmist seine Theodicee auf eben diesen Glauben gründet, wenn er darin nicht nur die Lösung aller Fragen und Bedenken über die Mißverhältnisse in der Welt, sondern auch den schönsten Lohn, der den Frommen zu Theil werden soll, findet, dann hat der Ausspruch des An- 38*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.