Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Über die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 514 (sequence 17)
- Language
- German
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514 Ueber die Bebeutunf, des drei »nd siebzigsten PsalmS. Wen habe ich im Himmel außer dir, und neben dir verlange ich nichts auf Erden. Vergehet mein Fleisch und mein Herz; der Hort »reines Herzens und mein Theil ist Gott ewiglich". Eines bleibt dem Menschen bei allen Leiden, Widerwärtigkeiten und Enttäuschungen, die Hoffnung nämlich, daß seine Seele nach dem Ableben des Leibes eines besseren Looses sich erfreuen werde. Der Fromme kann darum getrosten Muthes der Zukunft entgegengehen, mitten unter allen Kämpfen, Schmähungen und Verfolgungen, die er erfährt, muß ihn diese eine Hoffnung aufrecht erhalten. ״Denn die sich von dir (Gott) entfernen, fügt der Sänger am Schluffe hinzu, gehen zu Grunde, du vernichtest jeden, der von dir abfällt. Ich aber — die Nähe Gottes ist mir wohl, ich setze auf Gott »reine Zuversicht zu erzählen alle deine Wunderwerke". Der Sänger ist nunmehr mit seinem Geschicke versöhnt. Er ist, wie viele feiner Zeitgenossen, durch die Macht widriger Zustände und Mißverhältnisse in ein Gewirr von Zweisel und Bedenken geratheu, er hat lange gekämpft und gerungen, um den rechten Ausweg zu finden, und ob ihn! vielleicht noch!innrer Einzelnes räthselhaft scheinen mochte, seiir gläubiges Bewußtsein ist aus dem großen Gedankenkanrpfe, in welchem schon Manche unterlagen, siegreich hervorgegangen. Weder beneidet er die Ruchlosen wegen ihres Wohlseins, noch beklagt er die Fronrmen wegeil der Leiden und Widerwärtigkeiten, womit er sie heimgesucht siehet. Das Glück der Frevler ist trügerisch oder rrur von kurzer Dauer, doch den Frommen ist ein besseres Loos für die Zukunft beschieden. Es ist also nicht die Ergebung in's Unvermeidliche, wie sie Antigonos aus Socho lehrt, um nur noch das religiöse Pflichtgefühl aus dem Schiffbruche zu retten, nicht jene stoische Apathie, jenes Preisgeben aller gerechten Ansprüche und individueller! Neigungen, das sich als Erfolg der Betrachtung herausstellt, sondern die Ergebung aus freier tiefinnigster Ueber-