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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1877-01-01 · Heft 11 · p. Seite 512

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
26 (1877)
Issue
Heft 11
Article
Über die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms
Date
1877-01-01
Page
Seite 512 (sequence 15)
Language
German
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512 Üeber die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms. Der Psalmist selbst kann es nicht verschweigen, welch' einen erschütternden Eindruck diese Ereignisse auf ihn machten, er kann es weder sich noch seinem Gotte verhehlen, er muß frei und offen aussprechen, was seine Seele quält mtb sein Geinüth fortwährend beunruhigt. Aber er merkt, daß er bei diese!» trübseligen Gedanken nicht lange veriveilen darf. Sind die häufig gemachten Erfahrungen, daß der Fromme oft unschuldig leidet, während die Gottlosen vom Glücke begünstigt iverden, bei oberflächlicher Betrachtung wohl geeignet, solche und ähnliche Zweifel über das Walten und Wirken der göttlichen Vorsehung in seinein Innern zu nähren und zu fördern, so stehet er doch die Gefahr, die ihnr drohe, so erkennet er, in welchen Abgrund sittlicher Verkommenheit er versinke,r müsse, so er den Worten der Verführung Gehör gebe. Die Thatsachen müssen trügen, behauptet der darum, es kann unnröglich so sein, wie es sich äußerlich kund giebt. Diese Gedanken bilden den Uebergang dieser zum zweiten Abschnitt des Psalms, in welchem die bessere Ueberzeugung allmälig sich Bahn bricht. ״Spräche ich — so rechtet der Sänger mit sich selbst. — Ich will so * *) reden (nämlich wie jene, welche das Volk beredeten, die heidnischen Sitten anzunehmen, weil es, so lange es der väterlichen Religion zugethau mar, viel Unglück erfahren, denn Gott wisse nichts von dem Thun unb Lassen der Menschen), dann würde ich gegen das Geschlecht deiner Kinder (d. h. gegen jene, die uns Gesetz und Lehre erhalten und überliefert Habens) treulos handeln. Dächte ich das zu erkennen (nämlich die Lösung des RäthselZ, warum das Befinden nicht dem sittlichen Verhalten entspreche), vergebliche Mühe scheint es meinen Augen". Der Sänger giebt dennoch nicht die Hoffnung auf, dereinst Aufschluß darüber zu erlangen. ״Bis *) Vielleicht fehlt hier das Wort nbtt und es würde dann heißen: wie sie. Vgl. Hiob 12, 3. *) Vgl. Jbn Esra zur Stelle.

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