Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Über die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 509 (sequence 12)
- Language
- German
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509 Ueber die Bsdeutimq bc§ drei und siebzigsten Psalms, Anschauungen in’!? Volk gedrungen, die es mit der früheren nicht in Einklang zu bringen vermag, wo unter dem zersetzenden Einflüsse der dadurch erzeugten neuen Geistcsströmung das Altherkömmliche au Weihe und Heiligkeit, an Achtung und Werthschätznng in den Augen der Menge verloren hatte, wo endlich die Hinneigung zu dieser neuen Richtung durch den materiellen Gemini: und Vortheil, den man dadurch zu erreichen hofft, vielfach gefördert wird, wie dies in der That in jener Periode der Fall war, seitdem der Hellenismus fast in den meisten Ländern des Orients sich eiubürgerte. Anfänglich waren es nur einzelne Männer, die sich in die von Alexandrien aus verbreiteten Lehren und Philosophemen vertieften, doch diese Richtung griff dann innner mehr um sich, je :nehr materielle Voriheile dadurch in Aussicht gestellt wurden, zu je größerer Bedeutsamkeit jene Männer sich emporgeschwungen, welche griechisch« Sitte und Lebensweise angenommen hatten. Es war eine Zeit der Gährung und Aufregung, die Ausschreitungen und Mißverhältniffe allerlei Art erzeugt. Denn Griechenthum und Judenthum Lildeteu allzu schroffe Gegensätze, die nicht so leicht vereinigt werden konnten; wer aus was immer für Rücksichten ersterem nachzuäffen suchte, der hat auch die väterliche Religion im Wesentlichen aufgegeben und seine» Stammgenoffen sich entfremdet. Sind aber die Banden einmal gelockert, welche das ganze Volksthum Jahrhunderte hindurch festgehalten, dann sind auch die Leidenschäften entfesselt, dann ist es bald der Reiz der Neuheit, der kein sorgfältiges Prüfen und Erwägen mehr aufkommen läßt, bald der hochmüthige Weisheitsdünkel, der, überrascht von den nunmehr gewonnenen neuen Anschauungen und Erkenntnissen, jede überlieferte Lehre bei Seite zu setzen sich erkühnt, bald die Parteisucht, der kein Mittel unzulässig zu sein feint, bald endlich der Ehrgeiz und die Habsucht, die den hohen Werth und den segensreichen Einfluß jener Heiligthümer, die dem innersten