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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1877-01-01 · Heft 11 · p. Seite 508

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
26 (1877)
Issue
Heft 11
Article
Über die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms
Date
1877-01-01
Page
Seite 508 (sequence 11)
Language
German
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508 Hebet die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms. zu dielten und seine Gesetze zu beobachten", doch immerhin waren es nur einzelne Männer, die aus Abscheu und Widerwillen vor dem sündhaften Treiben einiger der einflußreichsten Vertreter des Tempels, diesem und dem ganzen Gemeinwesen den Rücken kehrten, ihren eigenen Interessen folgten, oft sogar zu manchen ungerechten Handlungen sich hillreißen ließen '). Sie halten sich darum keineswegs von der Religion losgesagt, sondern das Gairze war mehr die Folge der Mißstimmung, die sich der Gemüther bemächtigte, weil der Hohepriester und sein Anhang gleich nach Rehemia's Entfernung, den von ihm und Esra gemachten Einrichtungen zuwider handelten und dadurch dem Gedeiheu des neu befestigten religiösen Gemeinwesens viele Hindernisse bereiteten. Obgleich inan irn Allgemein darüber sehr entrüstet war, so hätte das schlechte Beispiel der Großen auf manche aus dem Volke schädlich gewirkt. Denn wenn heute das nicht »lehr für ungesetzlich gehalten wird, oder gar ganz gestattet zu seill scheint, was kurz vorher noch streng verpönt war, da werden die Begriffe vom Erlaubten und Unerlaubten verwirrt und das Pflichtgefühl uild der loyale Sinn geschwächt, so daß jeder sich berechtigt glaubt, seinen eigeneil Weg zu ivandeln. Ganz anders in der vormakkabäischen Zeit. Hier war es nicht das Heiligthunl, dem man abhold wurde, daß mail von allem Spenden und Priestergaben sich zurückhielt, hier - handelt« es sich!licht bloß um einzellle religiöse Einrichtungen, die in Frage gestellt waren, sonderll hier mar es der gänzliche Verfall der Religion und der nationalen Sitte, von welchem die Wenigsten vollends frei nub unberührt waren, daß selbst Männer von tiefinniger Religiosität und hoher sittlicher Gesinnung, wie unser Psalmist, näher daran waren, mit sich selbst und ihrer gläubigen Ueberzeugung in Zwiespalt zu gerathell. Solch' ein Vorfall komint aber gewöhn-!ich da zum Vorschein, wo neue Ideen oder ganz fremdartige *) Vgl. Grütz Geschichte II b. Uil sg.

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