Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Über die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 501 (sequence 4)
- Language
- German
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ließet die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms. 501 unter den Inden in Palästina verursachte, durch die fremdartigen Sitten und Anschauungen, die seitdem Eingang und Verbreitung gefunden, durch den Kampf der verschiedenen Parteirichtungen, den sie bewirkten, durch den Umsturz endlich, womit sie das ganze jüdische Volksleben bedrohten. Die Sopherim, deren bescheidenes aber maßvolles Wirken eine lange Zeil unailgefochten sein mochte, sahen sich und ihre Anhänger gegen Ende des dritten Jahrhunderts v. Ehr. in einen großen und schweren Kampf versetzt. Was Wunder dann, wenn selbst unter den Parteigenoffen über manche tief in's Leben eingreifende Fragen, welche, weil sie unter dem Drange gewaltiger Erscheinungen und erschütternder Ereignisse entstandeit sind, Zeitfragen genannt zu werden verdienen, die Meinungen auseinander gingen? ES ist dariun höchst wahrscheinlich, daß, wie die Halacha, auch die Psalmendichtung davon beeiustußt wurde. Sie, die den Verrath der so genannten Griechlinge, die Leiden der Frommen, die Entweihung des Heiligthumes aus voller Seele beklagt, sie, die den Muth und die Ausdauer der Glaubenstreuen, ihre Kämpfe und Siege verherrlicht, sie sollte jenen inneren Vorgängen, welche den ganzen Gedankenkreis der edelsten Männer im Volke erfüllten, ganz fremd bleiben? Der Sopher, der sich in Psalmendichtung versuchte, konnte unmöglich das außer Acht lassen, was nicht nur sein Gemüth und das Herz aller Treugesinnten so sehr bewegte, sondern auch all' ihr Denken und Sinnen, ihr ganzes Verstandesleben in Anspruch genommen haben dürfte. Folgender Versuch soll zeigen, wie grade diese Psalmen es sind, welche uns einen klaren Einblick verschaffen in das innere Getriebe der geistigen Bewegungen, in die inneren Kämpfe der denkenden Männer jener Zeit und die verschiedenen Anschauungen, die dadurch bei den sopheritischeu Gesinnungsgenossen zum Vorschein kamen. Das Mißverhüllniß zwischen dem Befinden und dem sitt-