Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Über die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 500 (sequence 3)
- Language
- German
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500 ־ lieber die Bedeutung des drei Unb siebzigsten Psalms, Gebet unb Hymnos zum Ausdruck bringen. Der Betende spricht ans feiner Zeit, wie aus seinem Herzen heraus. Der Psalmist will ein Organ seines Volkes sein, er hat sich die Aufgabe gestellt, die Gesammtempfindungen des besseren Theiles seiner Zeitgenossen zum klaren Bewußtsein Aller zu bringen. ״Wie es aber im Wesen der jüdischen Gottesanschauung liegt, die Form jederzeit dem sachlichen Inhalte zu unterordnen, so daß die Grenzen zwischen Lyrik und Didaktik nicht eingehakten wurden", so erweitert, sich auch die Lyrik in der Psalmendichtnng allmälig zu einer tief eingehenden Betrachtung der Zeitereigniffe, so wie der verschiedenen Erscheinungen und Veränderungen, die dadurch erfolgten, worin nicht bloß das Gefühlsleben des Volkes, sein Leid und Weh, sein Hoffen, Sehnen und Erwarten, sondern auch seine reflectirende Verstandesthätigkeit, sein Denken, Meinen und Urtheilen sich abspiegeln soll. Es zeigt sich dies besonders bei jenen Psalmen, die schon einer späteren Periode angehören, der Zeit nämlich, wo das Volk nicht mehr aus dem Munde des von dem Goitesgeiste inspirirten Propheten die Belehrung empfängt, sondern wo die Sopherim durch ihre aus alter Zeit ererbten Erkenntniffe, so wie die daran sich lehnenden gelehrten Studien die Führer und Leiter des jüdischen Volkes geworden, wo endlich nicht bloß die levitischen Sänger, sondern auch die Sopherim in Psalmendichtungen sich versuchten, und diese sind es, deren besondere Bedeutung für die Geschichte des Judenthums nicht genug hervorgehoben werden kann. Wenn die Schriftgelehrsamkeit schon ihrem Wesen nach eine Divergenz der Ansichten und Meinungen über so viele einzelne Punkte der Auslegung der Gesetze und ihrer Anwendung und praktischen Durchführung im Leben zuläßt, so mußte sich der Spielraum der Meinungsverschiedenheit allerlei Art damals nin so weiter eröffnet haben durch die großen Bewegungen, welche die Berührung des Griechenthumes mit dem Jndenthum auch