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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1877-01-01 · Heft 11 · p. Seite 499

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
26 (1877)
Issue
Heft 11
Article
Über die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms
Date
1877-01-01
Page
Seite 499 (sequence 2)
Language
German
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Hebet die Bedeutung des drei und siebzigsten Psalms. 499 Beweis führen, wie sehr das richtige Verständniß jedes einzelnen biblischen Schriftstückes von der Ergründung der Zeit, in der es abgefaßt wurde, bedingt sei. Wohl vermoüten die Propheten, von einem höheren Geiste beseelt, ün kühnen Gedankenfluge über die Zustände ihrer Gegenwart sich zu erhebeit und ganze Epochen der Geschichte zu durchlaufen, so daß sie ineist nur das, was ihr Geist erschaut, vor Augen hatten, jene herrliche Zukunft nämlich, in welcher die kühnsten Hoffnungen, die großen und erhabenen Ideen, wovon ihr ganzes Weseit so mächtig durchdrungen war, verwirklicht werden sollen; aber sie habe» zunächst zu ihren Zeitgenoffen gesprochen, sie koimten selbst im höchsten Grade ihrer prophetischen Begeisterung sich nicht erwehren, auf ihre Zeit zurückzukommen, mindestens wo es galt, durch den Gegensatz zwischen den! Gegenwärtigen und den! Kommenden, letzteres in einem noch schöner!» Lichte, in einen! noch verklärterem Glanze erscheinen zu lassen. Wenn es darun! i!n Talmud (Spuh. 89 a.) heißt: סגנון אחד עולה לכסה נביאים ואין שני נביאים מח1ר אים בסגנון אחד so ist damit schon zum Theil das Geständniß gemacht worden, daß nicht bloß dis Individualität der Propheten, sondern auch die Zeitverhältnisse, unter denen sie lebten und wirkten, von großen! Einflüsse waren auf die Art und Weise, wie sie ihre Gedanken, Lehren und Anschauungen kundgegeben; denn die Entwicklung der Individualität ist auch von den Zeitverhältnissen vielfach bedingt. Die Ideen, die sie verkündet, gehören der Ewigkeit an, die ist;orte aber, die äußeren Hüllen, worin ihre Gedanken gekleidet sind, die Gefühle und Empfindungen, die sie begleitet und ihnen einen stärkeren Nachdruck verliehen, fließen in der Regel aus den Zeitströmungen, in!velche sie oft hineingezogen!vurden, oder ihr Volk hineiugezogen fanden. Mehr jedoch als die Prophetie, ist es die Psalmendichtung, welche die Empfindungen, wie sie durch die Zustände irgend einer Zeit in! Herzen der Bessergesinuten erzeugt werden, in 32»

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