Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Das Korbfest der Erstlinge bei Philo
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 441 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829486-2829497-2870259--17706-2870277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das Korbfest der Erstlinge bei Philo. 441 der hoffnungslosen Verhandlung vor Caligula mit Agrippa verkehrt, mit dem sie von früher her befreundet waren. Hat Agrippa vielleicht Philo eingeladen, mit ihm nach Jerusalem zu reisen, um im Tempel den Dank gegen die Gottheit für die wunderbare Erlösung ju danken? Oder ist Philo aus eigenem Antriebe dahin gereist, um fidj der wiedererlangten Selbstständigkeit des judäischen Gemeinwesens zu erfreuen? Welche Veranlassung er auch gehabt haben niag, die Reise nach Jerusalem zu unternehmen, genug, er muß wohl dort anwesend gewesen sein, da er die ein halbes Jahr ununterbrochen sich wiederholende Feier des Korbfestes mit aller Umständlichkeit schildert und ihr eine eigene Schrift oder ein Kapitel in seiner philosophischen Auslegung des Gesetzes gewidmet hat. Anderweitig ist es nicht belegt, daß Philo Jerusalem gese- Heu hätte. Denn die Relation über seine Reise dahin in der Schrift d« providentia kann nicht als historisch gesichert acceptirt werden, weil diese Schrift nicht von Philo stammen kann. So lange nur Bruchstücke daraus in Eusebius' praeparatio evangelica (VIII, 14 von p. 386—400) bekannt warm, konnte nian allenfalls au die Echtheit derselben glauben. Aber seitdem durch den Mechitaristen Joannes Baptist« A u ch e r die drei Schriften, zwei Bücher de providentia und die dritte de animalibus!622, veröffentlicht wurden, kann man sich diesem naiven Glauben nicht mehr überlassen. Diese Machwerke können unmöglich aus Philo's Feder geflossen sein. Die Dialogform im zweiten Buche und in dem de animalibus, der breite, zerflossene, weitschweiftge, kernlose Styl, die Anhäufung von Citaten aus der griechischen Literatur und der völlige Mangel an Citaten aus der Bibel, Alles das ist Philo fremd. Von Aegypten spricht das zweite Buch de providentia wie von einem Lande, in welchem der Vers, nicht heimisch gewesen wäre. Wenn der Dialog de animalibus über die Vernunftbegabtheit der Thiere,