Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Das Korbfest der Erstlinge bei Philo
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 437 (sequence 5)
- Language
- German
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Das Kmbfest der Erstlinge bei Philo. 437 Die Schilderung in der Mischna, daß das Darbringen der Erstlinge mit großer Festlichkeit begangen worden sei, und daß die ganze Bevölkerung Jerusalems sich mit besonderer Freudigkeit daran betheiligt habe, giebt auch zu denken. Eine Festivität, die sich Jahraus Jahrein wiederholt, ja selbst in einer und derselben Zeit bei den verschiedenen einziehenden Gruppen wiederholt, pflegt nicht ihren foleuuen und freudigen Charakter zu behalten. Es läßt sich nicht gut denken, daß alle einziehenden Gruppen jedes Jahr den Zug mit Flöten-Begleitung und mit einem bekränzten Opferstier gemacht, daß jedesmal die hohen Persönlichkeiten Jerusalems den Einziehenden entgegengegangen und daß sämmtliche Handwerker Jerusalems ihnen beim Zuge durch die Straßen bis zum Tempel ein freudiges Willkommen zngerufen haben sollten. So etwas pflegt sich bei öfterer Wiederholung abzustumpfen. Man muß sich noch dazu die thatsächlichen Verhältnisse denken. Seit dem Sterbejahr des Königs Agrippa I waren trübselige Zeiten über Jerusalem unb Judäa gekommen. Die Proeuratoren, von denen jeder Nachfolger noch schlimmer als sein Vorgänger war, bedrückten das Volk, verletzten die religiöse Empfindlichkeit, richteten öfter blutige Gemetzel in der Hauptstadt und in der Nähe des Tempels an. Nach der übereinstimmenden Schilderung oon Josephus und in den talmudischen Quellen war die Zeit von Agrippa's Tod bis zur Revolution grauenvoll. Man denke nur an die Sicarier, welche Tod und Schrecken in Jerusalem verbreitet haben — und auch die talmudischen Quellen kennen die, Anarchie erzeugende Wildheit der Sicarier. Diese düstere Zeit trat, mie gesagt, gleich nach Agrippa's I Ableben ein, und iu biefeit zwei Jahrzehnten von 44 bis 66 kann unmöglich das ״Korbfest" in so freudiger Stimmung und in so solenner Weise begangen worden sein. Es ist aber nicht ungewöhnlich, daß die Mischna ein einmaliges Vorkommniß der Art schildert, als wenn es