Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zeit der Anwesenheit der adiabenischen Königin in Jerusalem und der Apostel Paulus
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 14)
- Language
- German
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302 Zeit der Anwesenheit der adiabenischen Königin in Jerusalem machte indeß Entwickeluugsphasen durch. In der ersten Zeit hielt er die Beschneidung der Proselpten für nothmendig. Das folgt daraus, daß er den Galatern schrieb : ״Wenn ich jetzt noch die Beschneidung predigen sollte, warum werde ich noch verfolgt?" >). Er hatte also bis dahin den Heiden die Beschneidüng aufgelegt, weil er sie anfangs nicht als selbstständige Glieder eines neuen Bundes zu isoliren, sondern in den alten Bund des Hauses Jakob oder Abrahams einzufügen gedach te. Er stand noch auf dem judäischen Standpunkt, selbst wenn er sich vielleicht, ״um mit den Heiden ein Heide zu sein" über Speisegesetze und Sabbat hinweggesetzt hatte. Wie den judenchristlichen Apostel war auch ihm die Beschneidung anfangs ein unerläßliches Zeichen der Zugehörigkeit zur alttestamentlichen Oekonomie und Verheißung. Erst später kam er darauf, daß Abraham den ״Glauben" noch vor der Beschneidung gehabt habe, daß diese also nicht nothwendig sei, vielmehr zum Gesetze gehöre, das mit dem Erscheinen des Messias die Verbindlichkeit eingebüßt habe, und daß die Heiden zu Abrahams Kindschaft ohne die Beschneidung gezogen werden könnten. Paulus' Auffassung von der Stellung des Gesetzes zum Messias und von der Bedeutung des Messias hat sich demnach gewandelt. Diese dogmatische Metamorphose kamt nur die Frucht seiner Ersahrung gewesen sein. In der ersten Zeit glaubte er, die Heidenweit werde ohne Weiteres der Lebensgemeinschaft mit den Judäern selbst mit den Wunden der Beschneidung zuströmen, weil er die Vollendung der Messiaszeit durch Zeichen der Zeit nah glaubte. Er erwartete Wunder. Als aber mehr als ein Jahrzehend vergangen war, und die Welt ihren natürlichen Verlauf fortsetzte, sah er in Jesu Messianität ein anderes Erlösungs- Werk, die Erlösung vom Fluche des Gesetzes. Es sei damit st Galaterbr. 5, 11.