Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 6
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 14)
- Language
- German
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268 ©eorflc Eliot und das Jüdenthum. und Men etwas bieten, was sie oft empfunden, aber niemals so klar sich bewußt zu machen, so bestimmt festzuhalten vermochten! Naturgemäß kann nur ein jüdisches Herz den vollen Zauber einer Dichtung auf sich wirken lasien, die aus den besten Ahnungen der jüdischen Volksseele wunderbar gewoben ist. Nicht nur der Stolz, der in jedem unverdorbenen Menschen sich regen muß, wenn er seine Gemeinschaft gefeiert sieht, wird dem Buche unter den Juden Freunde werben, sondern mehr noch der tiefe Genuß, den es dem Denkenden bereitet, seine Individualität von einem Fremden erkannt und erklärt zu sehen. Der Eine wird vor Freude darüber aufjubeln, hier so bezeichnend ausgesprochen zu finden, was er längst bemerkt haben wollte, dem Anderen wird eine Thräne ins Auge dringen, wenn aus dem Rahmen der Dichtung ein ihm verwandtes Bild, ein theuerer oder Wehmuth erweckender Zug ihn grüßt. Das Alles muß dem christlichen Leser entgehen, wenn er selbst von Voreingenommenheit und Gehässigkeit frei wäre. Es gab viel Heulen und Zähneklappern im Lager der Kritik. Was mag sie nur gehabt haben, die gefeierte, vergütterte Königin der Erzählerkunst, daß sie zu den Juden herabgestiegen ist? George Eliot hat es an sich erfahren müssen, was immer noch der Judenhaß in der Welt bedeutet, und wird darin den stärksten Beweis für die Bedeutung der sittlichen That gefunden haben, der in ihrer unvergleichlichen Leistung liegt. Nicht nur den Juden von Fleisch und Blut, den Juden auf der Straße, nein, man haßt den Juden in allen Gestalten, und sogar in der Poesie. Selbst das luftige Erzeugniß der Einbildungskraft wird verfolgt, wenn es einen Juden darstellt. Als ob es eine fremde, unfaßbare, abstoßende Welt wäre, in die 1»an da eingeführt wurde, so stellte man sich zu diesem Kunstwerk. Die Dichterin, die sonst gewohnt war, verhimmelt zu werden, und der die Kritik mehr wie ein Troß von Dienern