Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1877-01-01 · Heft 6 · p. Seite 269

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
26 (1877)
Issue
Heft 6
Article
George Eliot und das Judenthum
Date
1877-01-01
Page
Seite 269 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829486-2829493-2870019--17512-2870055
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

George Eliot und das Judenthum. 269 als wie eine Gefolgschaft von Richtern nachzuziehen schien, sieht sich diesmal fast von der ganzen Schaar verlassen; das konnte man nicht übers Herz bringen, dem Genius zu huldigen, selbst wenn er einmal in die niedrige Sphäre — der Juden sich oerirrt hat. Aber der Uninuth wird sich legen, die Verblüffung wird der Freude darüber weichen, daß die Weltliteratur um ein Werk bereichert wurde, das den Kranz der geistigen Unabhängigkeit, der offenen Bekänipfung von Vorurtheil und Lüge um die Stirn sich flicht. George Eliot hat sich nicht an einen Unwürdigen weggemorsen. Es ist ein schöner Zug des Judenthums, das Andenken seiner fremden Wohlthäter in unvergänglicher Erinnerung und dauernden Ehren zu bewahren. An hundert Jahre ist es her, seit Lessing durch seinen Nathan für die Juden das Morgenroth einer neuen Zeit heraufführte. Von Nathan bis D e r o n d a ist die Weltgeschichte nicht stillgestanden, ungeahnte Wandlungen sind vor sich gegangen, auch das Selbstbewußsein des Judenthums hat eine Veränderung erfahren. Nathan tritt ein für seine Menschenrechte, es ist das geschichtliche, leibhaftige Judenthum nicht, sondern eine Art von Allerweltsreligion, was in ihm zum Ausdruck gelangt; für ihn ist es der Schluß der Weisheit, daß der rechte Ring verloren gegangen und seine Lehre nicht mehr Anspruch auf Echtheit und Glaubwürdigkeit erheben dürfe als jede andere. Anders in Deronda! Der Jude verlangt sein Recht als Angehöriger seines Stammes, er will als vollbürtiges Glied eintreten in die Gemeinschaft der Völker, das Blut der Propheten wallt auf in seinen Adern, die Stimme der Gottheit ruft ihn an, er weiß und bekennt und betont sogar, daß er anders ist als die Übrigen; ein Ende hat die Gleichmacherei. Gegenüber der empörenden Behandlung, die das Judenthum in der öffentlichen Meinung immer noch zu erdulden hat, ist seine glänzende Hervorhebung in Deronda eine rettende

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.