Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 6
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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George Eliot und daZ Iudmthum. 267 oder ein Kind mit einem angeerbten Malergenie blind geboren wäre, so würde das von den Ahnen stammende Leben als eine dunkle Sehnsucht nach unbekannten Gegenständen und Empstndüngen in ihnen ruhen, und der gebannte Zustand ihrer ererbten Hülle würde einem trefflich gearbeiteten musikalischen Instrumente gleichen, auf dem nie gespielt würde, das aber in unruhigen geheimnißvollen Schwingungen seines räthselhaften Baues erzittert, welcher bei der rechten Berührung melodisch ertönt. Ähnliches meine ich erfahren zu haben. Seit ich zu lernen und zu denken begann, habe ich mich stets nach einem idealen Berufe gesehnt, in welchem ich mich als das Herz und Hirn einer großen Menge empfände, — nach einer Art socialer Führerschaft, die mir als eine Pflicht zufiele, und die ich nicht als einen persönlichen Lohn zu erstreben hätte. Sie haben die Idee eines solchen Berufes in mir erweckt: — unseren Stamm trotz aller Sektirerei zu einem Ganzen zu verbinden". Aber wie dem immer auch sein mag, das Kunstwerk bleibt von der Entscheidung dieser Fragen unberührt. Nicht darauf, ob seine Ideen wahr, sondern lediglich, ob sie in Fleisch und Blut ihrer Helden übergegangen sind und Charaktere erzeugt haben, ob die Gestalten leben, fesseln und mit sich fortreißen, soll das Augenmerk der Beurtheilung bei einer Dichtung gerichtet sein. Und von diesem Gesichtspunkte aus werden wir erst recht zu dem Schluffe gelangen, daß Daniel Deronda nicht bloß in d e »l Sinne ein jüdisches Buch ist, daß es von Juden handelt, sondern auch darin, daß es vorzugsweise in jüdischen Kreisen auf Verständniß zu rechnen hat, sein voller Genuß denn doch nur dem Juden ungetheilt und ganz anfgeht. Denir was ist es, was die Menschen an die Dichter fesselt? Was Anderes, als daß diese das erlösende Wort ihnen von der Zunge nehmen, jedem seine Gefühle aussprechen, mit diesem weinen und mit jenem jubeln