Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 6
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 12)
- Language
- German
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266 George Eliot und das Judenthum. land zertrümmert worden, wirkt aber fort unzerstörbar und ewig als der jngendfrische Lehrmeister aller Schönheit, der thönerne Koloß Roms ist in Scherben gegangen, aber das Recht, das darin entwickelt ward, befruchtet und nährt die Gesetzgebungen aller Zeiten und Zonen. Auch für Judäa ist die Zeit der Erfüllung gekommen: seine staatliche Form ist von der Erdoberfläche hinweggefegt worden, aber seine Kinder sind hinausgezogen unter die Völker, um alle Heiden zu lehren, als eine unvertilgbare Saat ewiger Gedanken, als Sendboten eines göttlichen Berufes. Gerade in der Zerstreuung mag die Erfülllung liegen; Israel ist am größten, wenn es uitter allen Himmelsstricheu wirkt. Allein alle diese Einwendungen treffen das Kunstwerk nickt und streng genommen nicht einmal seine Idee. Denn die Aufrichtung eines staatlichen Mittelpunktes soll ja gar nicht der Verbreitung des jüdischen Volkes auf der Erde hindernd entgegeutreten, vielmehr die Wirksainkeit der Zerstreuten dadurch heben und stützen, daß sie das Bewußtsein gewinnen, einer geeinten und anerkannten Gemeinschaft airzugehören. George Eliot bekennt sich zu denr Gedanken, daß das Judenthum nicht nur eine Religion, sonderrr auch eine Nationalität ist, und daß diese als die Stimme des Blutes selbst in derren sich ankündige, die scheinbar ihrem Volke sich abgewendet haben oder durch die Schuld ihrer Eltern geraubt wurden. Was in Deronda geschlummert hat, das ist durch Mardochai nur ins Bewußtsein gehoben und durch die Eröffnung der Mutter als Thatsache bestätigt worden. Er hat sich am tiefsten selbst darüber ausgesprachen, wenn er zu Mardochai sagt: ״Sie haben dem Gestalt verliehen, was, wie ich glaube, ein ererbtes Sehnen, — das Resultat grübelnder, leidenschaftlicher Gedanken in vielen meiner Vorfahren war, — Gedanken, die besonders energisch in meinem Großvater verkörpert waren. Wenn der geraubte Sprößling eines Gebirgsstammes in einer Stadt der Ebene erzogen würde.