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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1877-01-01 · Heft 6 · p. Seite 262

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
26 (1877)
Issue
Heft 6
Article
George Eliot und das Judenthum
Date
1877-01-01
Page
Seite 262 (sequence 8)
Language
German
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262 George Eliot und das Judenthum. in Sicherheit, und die ganze deutsche Bildung nährt und mästet sich von jüdischen Gehirnen — die freilich nicht immer ihr jüdisches Herz bewahr e n". Wer wagt zu widersprechen? Das trifft einmal ins Schwarze! Die poetische Gerechtigkeit hat ihre Rechnung gefunden; es ist sowohl bei dem Lichte, das von Deronda, wie bei dem, das von Mardochai ausströmt, für Dämpfung gesorgt. Wie es uns schmerzt, einen schönen Mund zu häßlichen Reden sich verzerren zu sehen, so schneiden und verletzen die harten und rauhen Worte, die Deronda's Mutter, die Tochter des genuesischen Arztes Daniel Charisi, ausstößt. In diesem Weibe war die Seele eines Mannes, ihr war das Judenthum mit seinen Schranken und Satzungen eine drückende Last; den ungebundenen Künstlerueigungen setzte der strenge Vater entschiedenen Widerstand entgegen, sie mußte einen Mann nach seinem Willen heirathen. Als sie nach dem Tode ihres Vaters und ihres Gemahls mit allem brechen wollte, was sie an die Familie knüpfte, übergab sie das zwei Jahre alte Söhulein ihrem Anbeter, Sir Hugo Mallinger, damit dem Knaben alles das erspart bleibe, was ihre eigene Jugend verbittert und eigentlich ihr Leben zerstört hat. Aber der Geist ihres tobten Vaters fordert den Raub zurück, den sie am Judenthuiue begangen; sie muß es dem Sohne be° kennen, was sie an ihm verübt hat. Es ist ein gebrochenes Leben, das uns in ihr entgegentritt, ein Bild der gezüchtigten Abtrünnigkeit, des verrathenen Verraths. Wahrlich, auch der alte Lapidoth kann die Dichterin, die ihn geschaffen, von dem Vorwürfe einer blinden Affenliebe für das Judenthum freisprechen. Er ist ein Schurke, der eine Mustersammlung menschlichen Abhubs schmücken könnte, von einer Treue und Lebenswahrheit, die einen vergessen läßt, daß mau es mit einem Phantasiegebilde zu thun hat. Kein Jude wird es unnatürlich

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