Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 6
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829486-2829493-2870019--17504-2870047- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
George Eliot und das Judenthum. 261 Gastes (Deronda) nicht sicher war". Alke Welt versichert, daß den Juden die Habsucht angeboren sei, als ob diese ein Erbtheil der jüdischen Race und nicht vielmehr der Menschheit ausniachte. Anders George Eliot! Sie sagt von Esra Cohen: ״Er war nicht in das erhabene Pathos des Märtyrers gekleidet, und sein Sinn sür Gelderwerb schien von jenem Erfolg begünstigt zu sein, welcher das ärgerlichste Unterscheidungszeichen in der Gier der Juden während aller Jahr- Hunderte ihrer Zerstreuung gewesen ist". Die Gier also ist nienschlich, der Erfolg freilich scheint den Juden Vorbehalten zu sein. Denkwürdig sind die Aeußerungen Mardochaüs über die Cohens. ״Die Cohens scheinen Sie recht lieb zu haben", sagte Deronda. ״Und ich sie", lautete die sofortige Antwort. ״Sie tragen das Herz des Israeliten in der Brust, obschon sie wie das Pferd und das Maulthier sind, das nur den schmalen Weg kennt, auf dem es wandelt". Auf die Frage: ״Findet eine Nerwandtschtaft zwischen dieser Familie und der Ihrigen statt?" ertheilt er die Antwort: ״Nur die Verwandtschaft Israels. Meine Seele hängt an diesen Leuten, die mir Obdach und Pflege aus der Liebe gegeben haben, die in jüdischen Herzen wohnt, wie ein süßer Geruch an Dingen hastet, die längst zerschmettert und vor der frischen Luft verborgen sind". Ein feiner Humor liegt auch in dem Namen, den das musikalische Gewissen der Dichtung, der Kunstrichter Gwendolens und Mirah's erhalten hat. Er ist offenbar ein Jude, was er aber niemals verräth, obzwar sein unglückseliger Name: Julius Klesmer für den Eingeweihten beredt genug ist, wie denn auch Mrs. A-rrowpoint bei erster Gelegenheit, da der Künstler ihre Tochter zu freien gedenkt, mit dem ״Juden und Zigeuner" hervorbricht. Welche Einsicht in Land und Leute offenbart sich nicht in dem bitteren Worte, das die Prachtqestalt des Mainzer Juden Joseph Kalonymos an Deronda richtet: ״Wir inehren unseren Reichthum