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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1877-01-01 · Heft 6 · p. Seite 260

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
26 (1877)
Issue
Heft 6
Article
George Eliot und das Judenthum
Date
1877-01-01
Page
Seite 260 (sequence 6)
Language
German
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260 George Eliot und das Judenthum. Hasses, ober aller wahre Humor stammt aus der Liebe, und darum wirken diese Schilderungen weit unwiderstehlicher als die Fratzen und Verzerrungen, welche überreizte Feindseligkeit auf den Markt wirft. In der Pfütze selbst das Stück Himmel zu finden, das sich darin spiegelt, im letzten aller Sterblichen noch die Spur des Göttlichen zu erkennen, das hat zu allen Zeiten den echten Dichter ausgemacht. So ist es denn eine der schönsten Huldigungen, welche der Genius George Eliot's dem jüdischen Volke dargebracht, daß sie in die Familie des Pfandleihers Cohen, die sicher nicht ihre volle Liebe und Achtung hat, Mardochai hineinversetzt. Er war nur ein Namensvetter, kein Verwandter Esra Cohens, der ihn in seinem Hause ausgenommen hatte ״als ein Gemisch von Arbeiter, Schulmeister, Gefäß der Barmherzigkeit, inspirirter Irrsinniger, frommer Mann und (wenn man es verlangte) gefährlicher Ketzer". Ergötzlich ist es denn auch, wie Esra bei Deronda sich gewissermaßen wegen der Schwachheit entschuldigt, einen eigentlich so überflüssigen Gesellen im Hause zu behalten. Gwendolen Harleth sagt in ihrem stolzesten Reichthum, daß sie die Armenkinder nicht möge; der armen jüdischen Familie des Pfandleihers Cohen ist es gleichsam eine Noth- Wendigkeit, Wohlthate an Armen zu üben. Vortrefflich ist auch die Eigenthümlichkeit so vieler Juden gegeißelt, daß sie in Gegenwart von Christen ungern von den Bräuchen ihrer Religion reden hören. Als Mardochai auf Deronda's Betreiben seine alte Wohnung verlassen und mit seiner Schwester Mirah eine andere beziehen soll, sagt die Großmutter des kleinen Jacob Cohen, der von der Dichterin mit besonderer Hingebung ausgestattet wurde: ״Nun, ich hoffe, es wird nichts im Wege sein, daß Sie koscheres Essen erhalten, Mardochai". ״Das wird schon Alles in Ordnung sein, verlaß dich darauf, Mutter", versetzte Coheu, als wäre er ängstlich besorgt, die Erörterung von Dingen abzuschneiden, bei denen er der Stellung seines

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