Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 6
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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257 George Eliot und das Judenthum. ternpaar, dem Mardochai und seine Schwester entsprossen. Von der Mutter berichtet er selber: ״Sie war eine Mutter, von der man hätte sagen mögen: ״Ihre Kinder erheben sich und nennen sie eine Gesegnete des Herrn". Durch sie verstand ich das Wort jenes Rabbi, der, als er die Schritte seiner Mutter vernahm, sich erhob und sprach: ״Die Majestät des Ewigen naht!" Und in Betreff des elenden Vaters tröstet er die Schwester mit den Worten: ״Siehst Du, unser Loos ist das Loos Israels. Das Leid und die Herrlichkeit sind gemischt wie der Rauch und die Flamme. Weil wir Kinder das Gute geerbt haben, empfinden wir das Böse. Diese Dinge sind für uns mit einander vermahlt, wie unser Vater mit unserer Mutter vermählt war". Solch eine Vermählung zwar nicht von Gutem und Bösem, aber von scheinbar widersprechenden Zügen zeigt das Wesen Mardochai's. Dem Manne mit dem Himmelsflug der Phantasie fehlt auch der Scharfblick der Weltklugheit nicht, dem begeisterten Seher ist ein nüchternes gesundes Denken nicht abzusprechen. Bezeichnend ist es in dieser Richtung, daß er den erhofften Fortsetzer seiner Ideen und Helden seines Volkes sich nicht anders als unter dem Bilde eines schönen, wohlhabenden und feingebildeten Weltmannes vorstellen kann. So mag Akiba ben Joseph gedacht haben, als er, entzückt von Barkochba's Erscheinung, in die Worte ausbrach: ״Ein Stern ist aufgegangen in Jakob!", wie Mardochai, da er in Deronda die Verwirklichung seiner Träume, die Erfüllung seiner Sehnsucht sich entgegentreten sieht. Tiefsinnig, wie diese ganze ״gebrechliche Verkörperung des Nationalbewußtseins, die schwer Athein holte", ist auch der Zug angebracht, daß Mardochai noch vor dem Antritt der Reise ins gelobte Land stirbt. Nicht immer ist es dem Säemann vergönnt, die reifende Frucht jii schauen, es war auch hier ein wirkliches Vermächtniß, dessen Erfüllung Deronda anzutreten hatte. Es haben auch die Propheten, welche in den Frankel, Monatsschrtft xxvi 6. 17