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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1877-01-01 · Heft 6 · p. Seite 256

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
26 (1877)
Issue
Heft 6
Article
George Eliot und das Judenthum
Date
1877-01-01
Page
Seite 256 (sequence 2)
Language
German
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S56 George Eliot und das Judenthum. chai's ausgegraben zu haben glaubt. Die Schwindsucht und das Handwerk erinnern an den Brillenschleifer im Haag, an Baruch Spinoza, den man beim besten Willen nicht mehr dem Judenthum entreißen kann. Aber mag man auch da und dort einzelne Züge anfspüren, die an Mardochai erinnern, so wird man doch aus solchen nimmermehr seinen Charakter aufbaueu können; denn dieser ist nicht künstlich zusammengelesen, mühsam ausgeklügelt, sondern innerlich erschaut, wie fertig aus dem Haupte gesprungen, ob auch an der Ausführung im Einzelnen das sorgfältigste Studium gearbeitet hat. Mardochai ist aus dem Holze, aus dem Seher geschnitzt werden, und so weit als Übersinnliches faßbar gemacht werden kann, darf man sogar sagen, daß wir bei seiner Betrachtung in eine Werkstätte des prophetischen Geistes eingeführt werden. Die Schilderung dieser Seele gehört zu dem Schwierigsten, aber auch zu dem Gelungensten, was je ein Dichter unternommen hat. Glühende Begeisterung und kabbalistischer Tiefsinn, krankhafte Spannung der Geisteskräfte und klarbewußte Sehnsucht haben au diesem merkwürdigen Gebilde gleichmäßigen Antheil. Diese That der Dichterin will studiert, nicht verkürzt und im Auszug wiedergegeben sein. Wodurch es gelungen ist, Mardochai lebenswahr und Menschlich zu gestalten? Dadurch, daß das Gold mit einem Zusatz gangbareren Metalles versetzt wurde, das Engelsbild auch bekannte, jedem Herzen verwandt erscheinende Züge aufweist. Mardochai ist ein Jude, kein hohler Schwärmer, trotz aller Cabbala niemals ganz dem Boden der Thatsachen entrückt. In seinem Herzen wohnt neben der Hingebung an das Ganze die zärtlichste Liebe zu seinen Angehörigen, er folgt der näheren Pflicht, wenn diese mit seinen hochfliegenden Plänen einmal in Widerstreit geräth, entsagt seinem Lieblingsgedanken und bricht stracks die Reise nach Palästina ab, da ihn der Hülferuf seiner unglücklichen Mutter erreichte. Es war ein merkwürdiges El-

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