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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1877-01-01 · Heft 5 · p. Seite 230

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
26 (1877)
Issue
Heft 5
Article
George Eliot und das Judenthum
Date
1877-01-01
Page
Seite 230 (sequence 17)
Language
German
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280 George Eliot und das Judenthum. für sich selbst überhoben, gewöhnt er sich früh daran, für Andere sich einzusetzen, zu helfen, zu retten, wo die Gelegenheit sich dazu bietet. Er hat den Muth der Meinung, Unabhängigkeit des Geistes genug, um selbstständig eine Erscheinung zu prüfen, er ist frei von der Feigheit jener Kreise, ״denen der Mangel an jeder tieferen Bewegung als Witz gilt", hält Unwissenheit nicht für einen Schmuck und Stumpfsinn nicht für das nothwendige Zubehör der höheren Erziehung. In seiner unerschöpflichen Hingebung an Andere hat er stets nur Vertrauen genossen, Herzensergießungen und Beichten aller Art eutgegengenommen, aber niemals selber Gelegenheit gefunden, Vertrauen zu schenken, sich Anderen zu erschließen. Deronda kennt die Juden nur wenig und fühlt sich von ihnen eher abgestoßen als angezogen, die Gebildeten unter ihnen scheinen ihm nur darnach zu streben, unter den Völkern aufzugehen. Da rettet er Mirah und wird von dieser duftigen Blüthe dazu angetrieben, das Judenthum und seine Bekenner näher zu prüfen. Er ist ein, von drückenden Gedanken über seine dunkle Abkunft beladener Mensch, er, der Wohlthäter so Vieler, hat bisher noch die Wohlthat nicht genossen, zu einer treuen Seele sich aussprechen zu können. Da findet er auf der Suche nach Aiirahs verlorenen Verwandten einen merkwürdigen Juden, der ihn ganz gewinnt uild für sich einnimmt. Dahin ist die Geringschätzung, mit der er die Juden betrachten zu dürfen glaubte, dahin die vornehme Gleichgültigkeit gegen diesen niedrigen Stammt Der erste Mensch, den er gefunden, zu dem er mit Bewunderung und Liebe emporblicken konnte, war ein jüdischer, schwindsüchtiger, bettelhafter Uhrmacher, dieser Jude sein erster Freund, die Gedanken, mit denen dieser ihn entflammte, das Erste, was ihn im Leben tief und wahrhaft ergriff, er hätte ein Jude sein mögen, um den Aufgaben zu leben, die jetzt als wahrhaft menschenwürdig ihm aufgegangen waren. Er ist ein Jude! In Genua wird ihm

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