Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 5
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829486-2829492-2869961--17466-2870004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
George Eliot und das Judenthum. 229 Selbstprüfung sie herausfordert. Er wird der Magnet, der sie richtet und hält, der Anker, an den ihr schwankes Lebensschifflein gebunden ist, er wird ein Stück ihres Geivissens, der Priester, dem sie beichtet, vor dem sie auf die Kniee sinken möchte, eilt Engel, zu denl sie emporblickt. Sie hat dem Mann die Hand gereicht, den sie verachten mußte, sie hat seinem verstoßeneir Opfer das Persprechen gebrochen, daß sie nie die Seine werden wolle, sie büßt in namenlosen Qualen, die der verachtete, gehaßte, verabscheute Gatte mit der Ruhe der Unmenschlichkeit ihr bereitet; nur Eines klammert sie ans Leben, ihr Leitstern im Wettersturm, ihre Rettuilg im Schiffbruch — Derouda. Allein er ist ihr Beschützer, ihr Tröster, ihr Gewissensrath, ihr Freund, ihr Erziehen, aber nimmermehr mag er ihr — Gatte werden. Das sind schlechte Seelenkenner, die so wenig der wunderbar fein gezeichneten Entwickelung dieser Charaktere zu folgen vermochten, daß sie davon enttäuscht sein können, wenn nicht endlich aus G mendolen und Deronda ein Paar wird. Gwendolen ist das Urbild jener harmloserern Selbstsucht, die gern die Welt um ihr liebes Ich sich drehend denkt und nichts mit dem Leben anzufangen weiß, wenn dieses Ich etwas rauher vom Schicksal angefaßt wird. Deronda besteht aus Liebe und Hingebung, er hat sich früh an zu viel Höheres angeknüpft, als daß am Lebeir nur er selbst sich reizend und dieses Daseins werth erschiene. Wohl mag es der Selbstlosigkeit gelingen, die Selbstsucht zu׳ bessern, zu erheben, aber Beider Wesen ist ein Widerspruch, der nicht aufgehoben werden kann. Welche tiefe Lehre vom sittlichen und nationalen Gesichtspunkte aus noch darin liege, daß nicht schließlich Beide die Ehe vereinigt, werden denkende Leser selbst errathen haben. — Man muß das Philisterium abstreifen und einmal ernstlich mit allen spießbürgerlichen Voranssetziuigen brechen, um die Entwicklung Deronda's zu begreifen. Bon Jugend an der Sorgen