Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 5
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ä28 George Eliot und das Judenthum. .mit dem Abend beginnt, der Dichterin gefallen, die Sonne ihres Helden nicht sogleich aufgehen zu lassen und gleichsam zuvor nur durch das Mondlicht zu zeige», welch eine Leuchtkraft von ihm auszngehen vermag. Es hat in dem Ban des Kunstwerkes,an sich schon seine volle Berechtigung, um das Widerspiel zu Mirah durchzuführen, daß Gweirdolen in allen ihren Launen und bis in die verborgensten Fältchen ihrer eigertsinnigen und flatterhaften Mädchenseele uns zur Anschauung gebracht wird, aber die ganze breite Auseinandersetzung ihres Charakters hat auch für den Helden eine tiefe Bedeutung. Aus der genauen Betrachtung der Bahn, die ein Planet beschreibt, fällt ein klares Licht auf die Ermittelung des Schwerpunkts, von dem er angezogen und gehalten wird. Für die mit dem bewaffneten Auge der tiefsten Herzenskunde vor uns berechnete Bahn des Wandelsterns Gwendolen Harleth ist Daniel Deronda der bestimmende Mittelpunkt. Seitdem er am Spieltische zu Wiesbaden zum ersten Male seinen beredten Blick auf das überinüthige Mädchen geheftet, weicht sein Bild nicht aus ihrer Seele. Wie ein Wecker des schlummernden Gewissens, wie ein lebendiger Aufruf zur Besserung und zum Pflichtbewußtsein tritt er in ihr Leben ein. Er ist der erste und einzige Mann, dessen Achtung ihr Bedürfniß wird, iveil sie mit dem Scharfblick des Weibes seine schlackenfreie Reinheit und Erhabenheit durchschaut. Nie kommt ein Wort der Schmeichelei, nie eine Ermunterung ihrer Schwächen über seine Lippen, um die stets ein Ernst gebreitet ist, als ob sie eben zu strengem Worte sich geöffnet hätten. Die an Bewunderung und Anbetung gewöhnte Schönheit, deren Laune der Männerwelt Befehl zu sein schien, begegnet hier zuerst einen: in sich gefesteten Manne, der mit seinem durchdringenden, die Gedanken prüfenden Blicke sie bändigt, Hessen Schätzung ihr begehrenswerth erscheint und der ,dadurch, daß er sie ihr zu versagen scheint, zu fortwährender