Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 5
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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George Eliot und daS Iudenthuw. 223 das Geheimniß seiner Geburt, über das er von Mallinger in völliger Nnkenntniß erhalten wird. Groß geworden in der Freiheit einer wohlhabenden Erziehung, hat Deronda volle Selbstbestimmung, Festigkeit im Wollen und Unabhängigkeit im Denken sich angeeignet. Er rettet ein verzweifeltes, dem Selbstmorde nahes Mädchen, Mirah Lapidoth, und birgt sie i>n Hause der Mutter seines Freundes Hans Meyrick. Unstillbare Sehnsucht nach Mutter und Bruder, die sie verloren, erfüllt dieses Mädchen. Deronda entdeckt den Bruder, wird in das Gedankenleben des wunderbaren Mannes eingefnhrt, wird sein Freund, der entschloffene Fortsetzer seiner Ideen, führt die Geschwister zusammen und heirathet Mirah, nachdem seine Mutter, die Sangerin Alcharisi, seine jüdische Abstammung ihm entdeckt hatte. Er geht mit der jungen Gattin nach Palästina, um den Schauplatz kennen zu lernen, dessen Wiederbelebung seine Aufgabe und sein höchster Gedanke geworden war. Eine jüdische Erzählung, so könnte man die zweite Geschichte überschreiben. Allerdings steht Deronda im Mittelpunkte beider Geschichten, da er der Magnet ist, von dem Gwendolen geheimnißvoll gelenkt, angezogen, gehalten wird. Wäre aber dieser Umstand allein Rechtfertigung genug dafür, Unzusammengehöriges zu verquicken? Zwei Linien, die in einem gemeinsamen Kreuzungspunkte sich schneiden, sind eine mathematische Figur, aber kein Vorwurf für ein Kunstwerk, dessen Einheit nach strengen Grundsätzen gewahrt sein soll. Die Verkoppelung unzusammenhängender Geschichten ist nicht eine Herabsetzung, sondern das Todesurtheil einer Dichtung. Rur dadurch, daß die zeitgenössische Kritik sich gegen die Stellung beider Geschichten zu einanser die Augen verschlossen hat, ist die Schätzung Daniel Deronda's als Kunstwerk und das wahre Verständniß des Buches eigentlich noch gar nicht zum rechten und vollen Ausdruck gekommen. Wie Tacitus' Germania erst dann in ihrer ganzen Wir-