Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 5
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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222 George Eliot und das Iudenihum. den Schlüssel von Lastern noch von Tugenden. Anders George Mot! Sie hat sich durch tiefeingehendes, ans liebevoller Hin: gebung beruhendes Studium des jüdischen Volks- und Familienlebens bemüht, jüdische Charaktere zu ergründen, die Einwirkungen zu erkennen und gegenständlich zu machen, welche die jüdische Erziehung zu üben geeignet ist, und so an Typen zu zeigen, wie das Judenthum noch eine zwar verkannte und gern übersehene, aber nicht minder wirkungsvolle geistige Großmacht ist, deren Zukunft dadurch gesichert erscheint, daß sie noch einen edlen, empfänglichen, bildungsfähigen Stoff an der Gemeinschaft it>rer_ Anhänger besitzt, der noch der Gestaltung harrt, um in edelster Form zn glänzen. Die Prüfung dieses Kunstwerks auf seinen jüdischen Gehalt ist von seiner ästhetischen Würdigung unabtrennbar. Für den ersten oberflächlichen Blick fällt die Dichtung in zwei völlig nnzusammenhängende Geschichten auseinander. Ein herrliches, le- 'bensvolles und übermüthiges Mädchen, Gwendolen Harleth, reicht, mürbe gemacht durch die Verarmung ihres Hauses ttnb durch die blendende Erscheinung des vollendeten Weltmannes, Mr. Herleigh Grandconrt die Hand. Aber zwischen die Gatten tritt das Gespenst eines Weibes, Lydia Glasher, Grandcourts verstoßener Geliebten und Mutter seiner Kinder. Givendolen zur Seite stehen ihre Mutter und die Familie ihres Onkels, des selbstgefälligen Landpfarrers, Mr. Gascoigne, dessen Sohn Rex von der übermüthigen Cousine durch die leichtfertige Verschmähung seiner glühenden Liebe unheilbar gekränkt wurde. Wie Gedankenlosigkeit und Flatterhaftigkeit durch zerstörtes Lebensglück in Selbstprüfung und reumüthige Büßfertigkeit sich verwandelt, das ist der Vorwurf der einen Geschichte. Im Hause des nur mit weiblicher Nachkommenschaft gesegneten Sir Hugo Mallinger wird an Sohnes Statt Daniel Deronda, ein hochbegabter und edelherziger Jüngling, großgezogen. Ihn drückt