Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 5
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 7)
- Language
- German
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220 George Eliot und das Judenthüm. muß billig gleich sehr die Tiefe wie die Klarheit daran anstaunen; ein warmes Herz und ein Heller Kopf haben gleichmäßig daran gearbeitet. In dieser hinreißenden Darstellung ist einer der höchsten Triumphe dichterischer Schöpferkraft zu verzeichnen, daß es nämlich gelungen ist, nicht eine allgemein menschliche, bekannte und darum leichtverständliche Leidenschaft, sondern ein besonderes, von Wenigen getheiltes, den Meisten fremdes und darum unfaßbares Gefühl in seiner inneren, zwingenden Macht, in seinem Thaten heischenden und zündenden Ungestüm zur Anschauung gebracht zu haben. Hier hat es sich wieder bewährt, daß der Dichter ״dichtend von allem Dasein das Wesen selbst" ist und, nach einem Ausdrucke von George Eliot selber, gleich dem hundertlhorigen Theben ungezählte Eingänge in seiner Seele trägt, durch welche Vorgänge und Erscheinungen des Lebens in ihn einziehen, die für seine stumpfen Nebenmenschen uusichtbar und nicht zu erlauschen sind. Diese Thatsache, daß hier das Judenthum als feurige Saat und, sei es auch nur in einer Handvoll Menschen auf dem Erdenrunde, als treibende Macht im Gemüthe dargestellt wird, macht nicht nur die poetische Wahrheit und Schönheit, sondern auch die poetische Gerechtigkeit dieser Dichtung aus. Es ist dies auch die Eigenart, durch die sich hier die Behandlung der Juden von der hergebrachten und beliebten Mißhandlung bei Anderen unterscheidet. Bedeutende Dichter pflegen die Züge, die sie von ihren Gestalten mittheilen, nicht gleich werthlosen Rechenpfennigen auszumerfen, sondern nur so viel anzugeben, als zur Ausdentung von Innerem durch Äußeres gerade vonnöthen ist und eben hillreicht, das Bild des geschilderten Charakters uns aufgehen zu lassen. Wenn wir nun auch das Judenthum unter diesen Zügen finden, dann sind wir berechtigt anzunehmen, daß es als ein Erklärurlgsgrund für die Eigenthümlichkeiten eingeführt wurde, mit denen sein Träger behaftet erscheint. Sind diese Eigenthüiillichkeiten häß-