Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Eine neuerschlossene Quelle über Uriel Acosta
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 20)
- Language
- German
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212 Eine neuerschlossene Quelle über Uriel Acosta. Acosta beschränkte sich nicht darauf, für seine Person in Widersprnch zu den Grundlehrcn des Judenthuins zu treten, sondern entfaltete auch eine eifrige Propaganda für seine Ansichten (;מכריז ואומר heißt es in unserem Briefe). Die erst vor Kurzem errungene Consolidirung der jüdischen Verhältnisse in den Niederlanden sollte durch innern Zwietracht nicht von Neuem in Frage gestellt, die mit großen Opfern wiedergewonnene Vereinigung der flüchtigen Marranen auf dem jüdischen Glaubensgründe sollte durch religiöse Wühlereien nicht abermals gesprengt werden. Treffend bemerkt Hugo Ginsberg Lebens- und Charakterbild Baruch Spinoza's (Leipzig 1876) S. 15, 22." ״War es wohl zu verwundern, daß die Mitglieder der jungen jüdischen Ansiedlung, in deren Mitte noch mächtig die Srinnerung an die erduldeten schweren Verfolgungen im alten. Vaterlande lebte und durch neue Vorgänge wach erhalten wurde, eifrig und zwar — gestehen wir es zu — nicht immer durch die edelsten Mittel bemüht waren, die Gefahr neuer Störungen ihrer friedlichen religiösen und bürgerlichen Existenz von sich abzuwenden, denen sie leicht ausgesetzt sein konnten, sobald sich die Aufmerksamkeit der politischen Behörden des Landes auf religiöse und wissenschaftliche Streitigkeiten lenkte, deren Ursprung innerhalb der jüdischen Gemeinde zu suchen war .... Übrigens steht freilich geschichtlich fest, daß innerhalb der Gemeinschaft der spanischen Juden in der neuen Heimath der Geist der Duldüng gegen Abweichungen in der Auffassung der religiösen Lehren und in der Lebensführung nicht geherrscht und daß die jetzt in. den Besitz freier Religionsübung gekommenen Scheinchristen aus der katholischen Kirche die Neigung mit hinübergebracht, durch strenge Kirchenzucht die Glaubenseinheit aufrecht zu erhalten und daß nach dieser Richtung auch das Rabbinatscollegium zu Amsterdam einem gewissen äußeren Drucke unterlag, durch welchen es sich gezwungen sah, mehr als durch den ur-