Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 4
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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186 George Eliot und das Judenthum. wird mein Vater, und die Zukunft streckt mir flehende Kinderarme entgegen. Ist es vernünftig, das Mark specieller Verwandtschaft verdorren zu lasten, das die Familien der Menschen reich an gegenseitig ansgetauschten Schätzen macht, und mannigfaltig, wie die Wälder mannigfaltig sind durch die Pracht der Ceder und der Palme? Wenn es vernünftig ist, zu sagen: ״Ich kenne nicht meinen Vater oder meine Mutter, laßt meine Kinder mir fremd sein, daß keines meiner Gebete sie rühre", dann mag es vernünftig für den Juden sein, zu sagen: ״Ich will danach trachten, keinen Unterschied zwischen mir und dem Heiden zu kennen, ich will das prophetische Bewußtsein unserer Nationalität nicht hegen und pflegen — möge das Hebräische aufhören zu existiren, und mögen all seine Erinnerungen autiquarische Lappalien sein, tobt wie die Wandgemälde eines Stamnies, der vielleicht einmal existirt hat. Dennoch laßt sein Kind die Rede des Griechen auswendig lernen, in welcher er seine Mitbürger bei der Tapferkeit derer, die bei Marathon fochten, beschwört, — laßt es lernen, zu sagen: Das war edel bei den Griechen, das ist der Geist einer unsterblichen Nation! Aber der Jude hat keine Erinnerungen, die ihn zur That verpflichten; möge er lachen, daß seine Nation aus der Reihe der Nationen gestrichen ist; möge er die Denkmäler seines Gesetzes, welches den Odem gesellschaftlicher Gerechtigkeit, Nächstenliebe und häuslicher Weihen umschloß, — möge er die energievolle Kraft der Propheten, die geduldige Sorge der Rabbinen, die Tapferkeit der als Märtyrer ins Grab gestiegenen Geschlechter, für bloßen Stoff gelehrter Kathedervorträge halten. Die Aufgäbe des Juden in alle» Stücken ist, es dem reichen Heiden gleich zu thun". —-״Jede Nation hat ihre eigene Arbeit, und ist ein Mitglied der Welt, die sich durch die Arbeit einer jeden bereichert. Aber es ist wahr, was Jehuda Halewy zuerst gesagt hat, daß Israel das Herz der Menschheit ist, wenn wir