Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 4
- Article
- George Eliot und das Judenthum
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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George Eliot und das Judenthum. 177 gebung abging. Erst in diesem Jahrhundert hat der Haß urrd nachher die Wissenschaft auch in den Juden eine Nationalität auzuerkennen angefangen. Denn wenn schon zu allen Zeiten die Thatsache Aufmerksamkeit erregt haben mochte, daß jeder Schminke der Aufklärerei und allem Wasser der Bekehrung zum Trotze die jüdische Abstammung den fahnenflüchtigen Ueberläufer bis ins vierte Glied verfolgte und wie eine Rache der Natue der gemiedene Erbschaden im Gesichte des Abtrünnigen!licht wegzutilgen war, so mußte sie vollends das Nachdenken in einer Zeit heraus fordern, in der die Forschung den Erscheinungen auf den Grund zu gehen unternahm, und der Fortschritt für die langgequälten Fremdlinge Rechte zu verlangen sich vermaß. Von der einen Seite arbeiteten die Feinde unermüdlich an der Aufsuchung immer neuer Beweise, um die Juden als besonderes, niemals ihren Mitbürgern sich einverleibendes Volk darzustellen, von der anderen förderte die Wissenschaft untrügliche Merkmale zu Tage, durch welche die leibliche Eigenart des jüdischen Stamnies gekennzeichnet werde. ' Mit der Veränderung der Anschauungen vom Judeuthum bei den Außenstehenden hielt die Wandlung der Ansichten über diesen Punkt innerhalb der Juden selber gleichen Schritt. Mendelssohn glaubte noch, zum Theil aus dem ihm überhaupt eigeneu Mangel an geschichtlicher Erkenntniß, zum Theil aber auch wohl aus Furcht vor der lauernden Gehässigkeit, ein besonderes Volksthum der Juden in Abrede stellen zu müssen. Selbst noch die neuerwachte Predigt zeigt im Anfang dieses Jahrhunderts bei den Juden eine Farblosigkeit und einen solchen Mangel an jüdischem Gepräge, daß man nach ihr das Judenthum für eine blasse Allerweltsreligion, ein blutleeres Gedaukending eher als für eine geistige Großmacht, eine hinreißende Weltanschauung halten müßte, die in den Herzen ihrer Anhänger pocht und aus Lämmern Löwen gemacht hat. Man kann es kühn behaupten: Frankel, Monatsschrift xxvi 4 12