Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
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136 Recensionen. erblickte Rabbi das Heil derselben nnd die Möglichkeit ihrer Entwicklung für die Zukunft in der Sammlung, Sichtung und Ordnung des gesammten Stoffes religiöser Ueberlieferung. Er schuf keinen starren und ftxen Codex, welcher jede Meinuugsdivergenz ausschlvß. Vielmehr erhielt er auch das Gedächtniß an Einzelvota, damit ein künftiger Gerichtshof im Falle des Bedürfniffes, von einer recipirten Halacha abzugehen, in den! Votum Eines hervorragenden Lehrers der älteren Zeit eine Stütze finde. So hoffte er, durch Redaction der Mischna für kommende Geschlechter den Lehrstoff flüssig und entwicklungsfähig zu erhalten. Allein das Gegentheil seiner Erwartung trat ein. Hatte Rabbi bei seinem Redactionswerke stets nur die Sache, nie die Person ins Auge gefaßt, so fingen seine Zeitgenossen an, einen Personencultus zu betreiben und nach einzelnen Lehrern den gesammten Lehrstoff zu gruppiren. Dieser Cultus wurde bald übertrieben, die eigene Inferiorität gegenüber den Früheren wurde gleichsam zum Dogma erhoben. Der Kanon: אץ ב״ד יכול ’!בבול u. s. w. aufgestellt zur Kräftigung des höchsten 1ב״ gegenüber den kleinen gleichzeitigen, wurde in arger Verkennung auf die armen Nachlebenden bezogen. Was blieb nuir bei solch blinder Unterwerfung unter die Autorität der Vergangenheit Anderes übrig, wenn in der Zeiten Wechsel frühere Wohlthat Plage, ivenn durch dis Aenderung der Verhältnisse früherer Verstand Unsinn wurde, als, was aus den! Conflicte zwischen der Erkenntniß des Bedürfniffes und dem Bewußtsein der Ohnmacht, zu ändern, noch stets sich ergeben hat, was Anderes, als künstliche Zurechtleguug, gezwungene Deutelei, als Pilpul und baby- Ionische Spitzfindigkeit? Damit hat uns denn der Verfasser vor die Pforte des dritten Theiles seines Werkes gestellt, welcher die amoräische, saburäische und gaonäische Epoche behandeln wird, und ivelchem Neserent mit mir so berechtigterer Spannung eutgegensieht, als dafür bei