Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 26 (1877)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1877-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829486-2829489-2869781--17317-2869836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Recensioney. 95 einer gesund halachistischen Studien-Richtung, die hervorragenden Tanaiten sich nicht anders denkt, denn als die Bahnbrecher und die Pfadefinder dieser ״Lern"-Methode. Sie sind ihm Musterbildung und Typen des Lamdan oder des Charrif. Was Wunder, wenn er dann auch in ihrer Erscheinung als im Leden auftretende Charaktere all die Vorzüge und all die Mängel sich Wiederspiegeln sieht, denen wir auch heute noch in den Kreisen Jener begegnen? Und selbst in dieser Methode zeigt sich ein Gegensatz zu der Frankel'schen. Während nach dieser an die Lehrweise und die Persönlichkeit ein möglichst universeller Maaßstab angelegt wird, mißt unser Verfasser Beides mehr mit dem speciellen der eigenartigen jüdischen Traditionsentwicklung. In beiden Weisen der Beurtheilung liegt Berechtigung, wie es denn als das Ziel der streng wissenschaftlichen Darstellung erscheint, von beiden den gleichen Gebrauch zu machen, ein Ziel, das Jeder zu erreichen sich bemüht, das zu erreichen aber nur selten glückt, und beide Methoden haben bestimmte Vorzüge. Während die eine, nothwendig steifer und gezwungener, eher den allgemein wissenschaftlichen Anforderungen genügt, ist der andereu eine lebensvollere, frischere und ungezwungenere Darstellung gestattet. Indem unser gelehrter Verfasser die ältere halachische Methode als eine von der späteren Weise, ähnliche Materien zu 'behandeln, qualitativ durchaus nicht verschiedene ansieht, fühlt er sich den Tanaiten näher, nimmt er an ihrem Leben, ihren Lehren und ihrer Lehrweise, Schicksalen viel innigeren und lebhafteren Antheil. Mit ihnen freut und grämt er sich, mit ihnen liebt und haßt, schmollt und grollt er. Allerdings bleibt es fraglich, ob wir nach fast siebzehnhundert Jahren, beziehungsweise noch darüber, und bei im Grunde doch nur spärlichen Quellen über die persönlichen Verhältnisse und Beziehungen unserer Altvorderen ein so klares Urtheil uns bilden können, daß wir für den Einen und gegen den Andern in so lebhafter Weise Partei