Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Mythenmischung in der Hagada
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 17)
- Language
- German
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Sagengeschichte, wie zur Mythologie der Aegypter, Phöniker u. Griechen. 193 Diese Auffassung wird durch die folgende Bemerkung Plutarch's 1) gerechtfertigt: ״Den HarpocraLes hat man nicht für einen ״unvollkommenen und kindischen Gott, noch für einen Gott der ״Gemüse zu halten, sondern für den Vorsteher und Leh- ״rer des göttlicher: Wortes, das unter den ״M e n s ch e n n o ch j u n g, u n v o l l e n d e L u 11 b unaus- ״gewachsen ist." Die Attribute des Sonnendiskus (oder des Lichtes in der Hagada) deuten auf die geistige Klarheit und Erleuchtung, wie denn auch in der griechischen Mythologie Pallas Athene und Apollon zugleich als ätherische und Sonnengottheiten wie als Repräsentanten der Weisheit und Weissagung erscheinen. Der embryonische Zustand aber, in welchem Horus dargestellt wird, die Schwäche oder — nach Plutarch — die Gebrechlichkeit der Füße, sowie der auf den Mund gedrückte Finger sollen anzeigen, wie der menschliche Geist in einem fortwährenden embryonischen Zustande sich befindet, aus welchem er zwar nach der Geburt d. i. nach vollendeter Reife und Ausbildung hindrängt, ohne sie jedoch jemals zu erreichen, wie er überall gebrechlich und auf schwachen Füßen stehend sich erweist, endlich, wie es ihm bei aller Vorahnung 2) des Göttlichen denn *) Das. 119, 8 ff, (eap. 68) nach Parthey's Uebersetzung. Plutarch sagt dann weiter: ״Daher legt er als Sinnbild der Schweigsamkeit und Wort- ״kargheit den Finger auf den Mund. Wenn sie im Monat Mesore Gemüse ״opfern, so sprechen sie dazu ״die Zunge i st Fügung, die Zunge ״i st V e r h ü n g n i sr vvxq, yAco<r0־a äaCfiwv)“ Wem fällt hierbei nicht das talinudische בריח כרותה?!שפתים Synhedrin 102, a. u. sonst ein? Dem bei Griechen und Römern üblichen Zuruf beim Opfern evq י8;1£11]ןז favete linguis liegt wohl derselbe Gedanke zu Grunde, doch ist die sprichwörtliche Fassung des obigen Satzes dem talmudischen verwandter. 9) Das Bild des den Finger an den Mund legenden sitzenden Menfchen ist die Bezeichnung für den Begriff Kind, aber auch für die Begriffe sprechen, klug, weise sein (Reinisch a. a. O. S. 169; vgl. Virch Gallery I, p. 37). In unserm Falle soll wohl beides ausgedrückt werden, die Erkenntnis), wie die kindliche Unvollkomrnenheit im. Ausdruck derselben. Franke.. Monatsschrift XXV. S. 13