Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Über die Beschneidung
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 4)
- Language
- German
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172 Ueber die Beschneidung. Volke, das die Thora beobachtet, nicht Vorkommen könnte, die anderen lästigen Erscheinungen, die seltenen Nachtheile, (Phimose, Paraphimose), könnte man ihnen nicht entgegenhalten, daß der Verlust der Vorhaut nach dem bekannten Ausspruche auch gewisse Entbehrungen verursacht? Uns scheint der Grund der Beschneidung tiefer zu liegen, und diese namentlich »licht bloß für den Orient passend gehalten worden zu sein. Bekommen ja doch Schweine, Füchse rc. auch nicht bloß im Orient Trichinen. Ter Grund ist: Di e B es chneidung v er änd e rt den Maunvollständig in einer Weise, die ihn erst fähig macht, die ״Lehre" zu befolgen. IV. Nach der Erschaffung der lebenden Geschöpfe sprach Gott zu ihnen: Seid fruchtbar. Die ganze Mos. Lehre hat den Zweck, den göttlichen Willen zur Erfülluirg zu bringen. Zwar zunächst sollte die Befolgung der Gesetze bewirken: daß es dem Menschen wohlergehe. Aber wie kann es ihm Wohlergehen, wenn er den mächtigsten aller Naturtriebe nicht naturgemäß befriedigen kailn, wenn er sich keiner Nachkommenschaft zu erfreuen hat? Das Gesetz der Beschneidung muß also eine Bedeutung für die Fruchtbarkeit und andererseits für das Wohlergehen des Jndividuunis haben. Und so glauben wir denn, daß die Beschneidung ein Prüfervativ gegen die Störung der geistigen Harmonie des Einzelnen und ein Schutz gegen die Uebermacht der ״störendsten" aller Triebe ist, durch den es den» Einzelnen gelingen soll, eine Reihe von Geboten, namentlich die auf die Geschlechtssphäre Bezug habenden zu erfüllen. Wir setzen dabei voraus, daß in den von der Bibel verbotenen Graden und unter den von der Bibel verbotenen Umständen sowohl den ״Sündern" als ihren Nachkommen im höchsten Grade schädlich sind-