Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 25 (1876)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Fabel in Talmud und Midrasch
- Date
- 1876-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829472-2829476-2869205--16734-2869248- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
128 Die Fabel in Talmud und Midrasch. sten darauffolgenden Verbum das pron. rel. «7 an gehängt.') Ich lasse also zuerst die eigentlichen, dann die u neigentlichen Fabeln folgen; und zwar gebe ich immer den kurzen, die ich für die älteren halte, den Vorrang. Denn Kürze der Darstellung ist eine Hauptbedingung in der Fabeldichtkunst; wie auch Lessiug ״Kürze als Seele der Fabel" ansieht. Finden wir darum kurze Fabeln, so ist dies immer ein Beweis, daß sie aus der goldenen Zeit der Fabel stammen, wo dieser Dichtungszweig noch in höchster Blüthe stand. Auf die kürzeren folgen die längeren Fabeln, die ich für die jüngeren halte, die aus einer Zeit stammen, wo die eigentliche Fabeldichtung schon in Niedergang begriffen war und darum eine Länge und Breite annahm, die ein Hauptfehler für die Fabel ist. A. Eigentliche Fabeln Für eine der ältesten Fabeln, ja, vielleicht die allerälteste, der talmudischen Literatur halte ich folgende: Die Ströme und der Enphrath. Für ihr hohes Alter sprechen drei Amstände. Erstens: kennt sie schon der Sifrä; zweitens: ist sie noch in alter muster- Hafter Kürze und in verhältnißmäßig reinem Hebräisch abgsfaßt; endlich drittens : erscheint sie in den späteren Quellen viel erweiterter, als wir sie hier in ihrer ursprünglichen Fassung *) Um einem etwaigen Mißverständniß vorzubeugen, sei hier die Erklärung gegeben, daß es an dem Charakter der Fabel Nichts ändert, ob ihr die Lehre vor- oder nach gesetzt ist. Lediglich die oben gezeigte relative Erzählungsform macht die Fabel zur uneigentlichen. Die Lehre kann der Fabel vorangehen, und die Erzählungsform braucht deßwegen doch, wie sich später zeigen wird, keine relative zu sein.