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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1876-01-01 · Heft 2 · p. Seite 87

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
25 (1876)
Issue
Heft 2
Article
Nasiräer
Date
1876-01-01
Page
Seite 87 (sequence 2)
Language
German
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und betrauerte. Man klagte und trauerte um so mehr hierüber, als man darin ein Unglück für sich selbst erkannte. Zu den heidnischen Todtengebräuchen gehörte auch das Ausraufen des Haupt׳ und Barthaares; wenigstens schnitt man sich den Haarschmuck ab, um mit dem Abzeichen eines Trauernden zu erscheineu. Die erste Bedeutung von נור, dem Stammworte von נזיר!Nasiräer), ist sogar ״abschneiden", und in zweiter Bedeutung heißt es erst ״absondern, sich enthalten", und dazu liegt vielleicht die derivirte Bedeutung mehr in der Stellung und ascetischen Lebensweise des Nasiräers, als in dem Worte, womit man den Nasiräer Gezeichnete. Daher stammen bei Moses die entsprechenden Verbote vom Scheeren des Hauptes und Bartes um eines Todten willen (Lev. 19) und die Ceremonie der Tonsur bei den christlichen (katholischen) Geistlichen, die sich bei einzelnen Mönchen oft so weit erstreckt, daß vom Haupthaar nur ein schmaler Haarkranz übrig bleibt, der das Haupt umzieht. Denn das Christenthum trauert um den Tod seines Stifters und Gottes, und diese Art der Trauer, wie das äußere Abzeichen dafür, die Tonsur entstammen dem Heidenthum. Moses duldete nur das Gelübde des Nasiräers, wenn es einmal ausgesprochen war, theils aus Rücksicht für die herkömmliche Gewohnheit, theils um des Princips der Wahrhaftigkeit willen, die der Mensch gegen sich selbst zu üben hat. Denn jedes gegebene Wort und Versprechen muß erfüllt werden. ״Besser", heißt es, ״du gelobst nicht, aber hast du gelobt, so erfülle dein Gelübde" (Deut. 23). Der Name ״Nasiräer" stammt eben von ״ נזרHaarkrone",') und Moses trat den heidnischen Nasiräer-Gebräuchen dadurch entgegen, daß er gerade entgegengesetzt das Wachsenlassen des Haares gebot und das Scheeren desselben verbot, wie er auch den! Nasiräer die Berührung irgend eines Todten und die Trauer ') Man kann der Bezeichnung ebenso wohl ״ נזרHaarkrone" (Haarwuchs), als die Bedeutung ״Haarschur" (Haarkranz), von dem Verbum ״ נזרabschneiden (das Haar)" zu Grunde legen.

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