Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1876-01-01 · Heft 2 · p. Seite 88

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
25 (1876)
Issue
Heft 2
Article
Nasiräer
Date
1876-01-01
Page
Seite 88 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2829132-2829472-2829475-2869136--16685-2869189
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

■ W NoHM^ ־ uttt ihn untersagte. Das N asiräat Simsons erklärt sich leicht durch die damals noch frischen Gewohnheiten heidnischen Lebens und Umgangs, besonders mit den Philistern. Im Reiche Jsrael erblühte das Nasiräerthum auf's Neue durch die Gewöhnhöiten des eingeführten ägyptischen Stier-und phönizischen Baalcultus. Eliah und seine Schule traten dieser heidnischen Unsitte mit Energie entgegen. Aus Rücksicht für die herrschende Grwohnheit, aber doch im Gegensatz dazu, pflegten die damaligen Gottespropyeten das mosaische Nasiräerthum; ihr gewöhnliches Abzeichen war wallendes Haar. Daher fiel bei Elischa die Kahlköpfigkeit auf (2 Kön. 2), weil man darin je nach der Parteistellung mit Hohn- oder Triumphgeschrei eine absichtliche und schimpfliche Hinneigung zu den heidnischen Gebrauchen, oder eine vermeintliche Anerkennung derselben seitens des Gottespropheten zu erkennen glaubte. Jesus führte daher auch wohl den Namen Nasiräer (Nazarener) *), weil man ihn für einen Gottes« Propheten mit wallendem Haare hielt und so auch heute noch darstellt. Der Wunderglaube und die Wunderthätigkeit der damaligen Zeit hatten ebenfalls zum großen Theil in der Übertriebenen Ascetik ihren Grund; nur durch eine solche wird heute noch die Stigmatisirung erzeugt und ermöglicht. Im Reiche Jsrael herrschten auch Wunderglaube und Wunderthätigkeit selbst auf Seiten der Gottespropheten, zum Theil wohl aus gleichen Gründen. Die Ascetik des spätem Judenthums wurde Chassidismus (וחסיד) genannt, wovon der ost-europäische Chassidis- Mus mit seinen mystischen Verirrungen ein Ausläufer ist. Beide sind von der Ascetik und Mystik des Christenthums beinflußt worden. Vielleicht liegt eine Andeutung davon im Namen: ״ וחסד(christliche) Liebe." 1 > Die Geburt in Nazaret steht ja nicht geschichtlich fest.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.