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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 12 · p. Seite 557

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 12
Article
Zur Geschichte der Juden von Bordeaux
Date
1875-01-01
Page
Seite 557 (sequence 2)
Language
German
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Zur Geschichte der Juden von Bordeaux. 557 geld oder Judensteuer zahlen sollten. Ta aber die Beamten von Bordeaux diese neue Besteuerung von ihnen abwenden wollten, und geltend machten, daß diese mit den christlichen Bürgern gleich besteuert und überhaupt als Bürger angesehen werden, so wurde eine Berichterstattung über deren Stand und Verhältnisse verlangt. Dieser Bericht, ausgestellt im Jahre 1734 lautete: ״Es wohnen in Bordeaux 350 jüdische Familien sowohl portugiesische als avignonensische, in Gesammtzahl 4—5,000 Seelen (?) Einige unter ihnen wohnen daselbst seit langer Zeit von Vater auf Sohn und genießen das Bürgerrecht. Der genannte G r a d i s *) (David 1) ist im Jahre 1731 als Bürger ausgenommen worden." — ״Vor fünf oder sechs Jahren trugen die Juden ihre Kinder noch in unsere Kirchen, um die Taufe zu empfangen; aber seit dieser Zeit üben sie öffentlich die Beschneidung in Gegenwart ihrer Rabbinen. Diese vollziehen die Ehen eben so öffentlich wie die Christen — ohne auch nur bei dieser Gelegenheit Dispens von der Behörde oder eine päpstliche Bulle zu verlangen. Sie schließen ihr Geschäft am Sonnabend, tragen ihre Gebetbücher, ihren weißen Schleier und ihre anderweitigen Zierden in der Hand . . . ohne Geheimniß und im Anblick der Christen. Sie sind mit dem T a l a (Talit) bekleidet und tragen C e c i s (Zizit) daran. Sie singen und beten mit lauter Stimme und bedienen sich oft eines Hornes, genannt S a s o p h a (Scho-- far), um den Engel zu rufen, der in der Wüste ist (?) Sie haben als Dienerinnen schöne Bäuerinnen, die sie beschwängern, damit sie für ihre Kinder als Ammen dienen können, und die von den jungen Bäuerinnen Geborenen tragen sie ins Findel- Haus. Seit zwei oder drei Jahren haben sie ein Grundstück erworben, wo sie ihre Tobten begraben und zwar völlig öffentlich, oft auch am Tage, und wenn sie fürchten, von der Bevölkerung insultirt zu werden, lassen sie sich von einem Ritter mit Soldaten begleiten." '1 S. oben S. 449 fg.

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