Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 24 (1875)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Fabel in Talmud und Midrasch
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 550 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829458-2829471-2869076--16542-2869106- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
580 Die Fabel in Talmud und Midrasch. hervor, daß das וידבר על העצים u. s. w. in der ältesten Zeit parab o l i s ch genommen wurde. *) Nur geht Grätz allerdings zn weit, wenn er שלשת אלפים משל geradezu: 3000״ Fabeln" übersetzt. Es muffen nicht lauter Fabeln gewesen sein. של» bedeutet auch hier nicht ausschließlich Fabel; der Hebräer nennt nur auch die Fabel של», weil, wie ich bereits am Anfänge sagte, die Fabel eigentlich auch nur ein Gleichniß in erzählender, d. h., als wirklichen Vorgang hinstellender Form ist. Fassen wir nun die Stelle so auf, so gingen aus ihr zwei wichtige Punkte als Resultat für unfern Gegenstand hervor. Erstens hätten wir in der hebräischen Literatur noch eine Nachricht über die Fabeldichtung im Allgemeinen, die uns zeigt, wie fruchtbar auch dieser Dichtungszweig in Kanaan war, und wie fleißig er von Israel gepflegt wurde. Zweitens aber, und dies ist das Wichtig st e, hätten wir in der hebräischen Literatur auch eine Nachricht über die eigentliche Thierfabel. Denn die beiden uns bekannten hebräischen Fabeln sind keine Thier-, sondern Baum fabeln. Lalomo wäre demnach der Erfinder der eigentlichen Thierfabel. Bis Salomo kannte und pflegte man nur die Baumfabel; e r erfand die Thier fabel; die schon vor ihm vor- Händen gewesene Baumfabel aber entwickelte er nur weiter. Unter solchen Umständen ist es natürlich, daß er die schon entwickeltere Baum fabel in mannigfacheren, reicheren Gestalt en bildete, indem er immer mehr neue Gegenstände aus dem Pflanzenreich« in ihren Kreis zog; so daß sie einen viel ausgedehnter!: Kreis bildete, als die erst von ihm erfundene Thierfabel. ') Eigenthümlich faßt das Targum Jonathan die Stelle auf. Es sieht in dem ersten Theile meffianische Weiffagungen, während es den zweiten Theil wörtlich wiedergibt.