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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1875-01-01 · Heft 12 · p. Seite 547

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
24 (1875)
Issue
Heft 12
Article
Die Fabel in Talmud und Midrasch
Date
1875-01-01
Page
Seite 547 (sequence 8)
Language
German
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Die Fabel in Talmud und Midrasch. S4f rael durch folgende Fabel veranschaulicht, die die zweitä 11 e ft e uns erhaltene i st: Die Distel am Libanon ließ durch Gesandte der Libanonceder den Antrag zu gehen: Gieb deine Tochter meinem Sohne zum Weibe. Darauf brachen die Waldthiere des Libanon hervor und zertraten die Distel. Das Treffende dieser Fabel liegt, n. m. Auff., in dem feinen, schlau angebrachten Zuge, daß gerade eine Libanon distel, החוח אשר בלבנון heißt es, den Einfall hat, der Ceder diesen Antrag zu stellen. Disteln wachsen ja überall; warum fallt es keiner andern Distel ein, solche stolze, bis zur mächtigen Zeder sich versteigende Heirathspläne für ihren Sohn zu haben?! Weil die Libanon distel von gleicher Herkunft mit der Ceder ist und sie beide am Libanon wachsen, darum meinte die Distel, sie sei schon ganz ebenbürtig der Ceder und glaubte sich zu diesem Verschwägerungsantrage nur berechtigt. Doch bald sollte sie in trauriger Weise erfahren, welch ungeheuerer Abstand zwischen ihr und der Ceder besteht; wenn sie auch beide im stolzen Libanon wurzeln. Es sind eben nicht alle Libanonpflanzen gleich: ebenso solle אמצי‘ה nicht glauben, :veiler auch auf einem Throne sitze, wie Joasch,daß er ihm darum auch schon an Macht ebenbürtig sei; denn es sind ebensowen i g alle Herrscherthrone gleich, als alle Libanonpflanzen einander gleich sind. Nach diesen zwei uns erhaltenen hebräischen Fabeln ist es nur aufs tiefste zu bedauern, daß nicht mehr auf uns gekommen sind. Denn daß einst eine bedeutende Zahl hebräischer Fabeln vorhanden gewesen sein muß : geht erstens, da wi r di e Fabel als das Geistes - oder Sangeskind der hebräischen Muse anerkennen, aus der Natur der Sache hervor. Denn die un st erbliche Muse, sie singt sich nicht,wie derSchwan in dergriechischen Mythe, zu Tode! Im Gegentheil! 35*

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